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Weihnachtsbaum Upcycling

Dez 5, 2019

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

Jährlich werden für Weihnachten über zwei Millionen Bäume gefällt – und das allein in Österreich. Darunter befinden sich Tannen, Fichten und Kiefern. Die immergrünen Nadelbäume können aber nicht nur als traditionelle Weihnachtsdeko dienen, sondern sind geschätzte Heilpflanzen! Warum sie also nach Weihnachten viel zu schade zum Wegwerfen sind und wie ihr sie für Gesundheit, Küche und Co. nutzen könnt, habe ich in diesem Blogartikel mit vielen tollen Weihnachtsbaum-Upcycling-Ideen für euch zusammengefasst!

First things first!

 

Wir haben hohe Ansprüche an unseren Weihnachtsbaum – saftig grün, kerzengerade, dicht bewachsen sollte er sein und bitte möglichst lange keine Nadeln verlieren. Da wir alle Jahre wieder einen hohen Verschleiß an Weihnachtsbäumen haben, werden diese in intensiv bewirtschafteten Monokulturen gezüchtet – wo sie besonders anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind.

Deswegen und wegen unserer äußerst hohen Ansprüche an den „perfekten“ Baum werden Tanne & Co. mit umweltschädlichen Pestiziden und anderen chemisch-synthetischen Stoffen behandelt. Sie sorgen dafür, dass sich Flechten und Moose nicht ausbreiten können und dass der Baum „schön“ aussieht. Dazu kommt, dass viele Weihnachtsbäume im Ausland produziert werden und lange Transportwege hinter sich haben. Insgesamt also eine ziemlich schlechte Ökobilanz. 

Der Gedanke, sich so einen Chemiecocktail ins Wohnzimmer zu stellen, ist alles andere als heimelig. Wenn schon Weihnachtsbaum, dann sollte man auf gute Qualität achten! Das Um und Auf, wenn man die wertvollen Nadeln nach dem Abschmücken weiterverarbeiten möchte, ist, dass der Baum nicht mit Pestiziden behandelt wurde und aus ökologischem Anbau und/oder heimischer Forstwirtschaft stammt. Biobäume sind zwar manchmal nicht ganz perfekt, aber dürfen so wie wir auch kleine Macken haben.

Durch das Upcycling erlebt der sonst nur für den einmaligen Gebrauch gewachsene Baum eine enorme Aufwertung.

 

Der Weihnachtsbaum – eine wandelnde „Apotheke“

 

Nadelbäume werden seit jeher als Schutz- und Lebensbäume verehrt, gelten als „Lichtbringer“ und können, wenn sie nicht für Weihnachten etc. geschlagen werden, bis zu 600 Jahre alt werden. Junge Fichtenspitzen von Tanne, Fichte und Co. können bereits im Frühling verwendet werden. Frisch vom Baum schmecken sie leicht säuerlich und können zu Fichtenwipferlhonig und Oxymel verarbeitet werden. 

Sie enthalten Vitamin C, Gerb- und Bitterstoffe, ätherische Öle, Mineralien und Spurenelemente. Die Nadeln können das ganze Jahr über geerntet werden (ja – auch vom ungespritzten Weihnachtsbaum) und sind dank ihrer wertvollen Inhaltsstoffe eine Bereicherung für die Hausapotheke. 

Vor allem die ätherischen Öle, welche für den balsamischen Duft und den einmaligen Geschmack verantwortlich sind, machen Nadelbäume zur wirksamen Hilfe bei Erkältungen. Sie wirken schleimlösend, antibakteriell, fördern die Durchblutung und sorgen für ein leichteres Abhusten. Der Weihnachtsbaum ist also nicht nur wegen seiner äußeren, sondern gerade wegen seiner „inneren Werte“ ein Segen und zu schade für den Müll. Wer wirft schon eine kostenlose „Apotheke“ aus dem Fenster? 😉

 

Nicht nur Weihnachtsdeko – auch die Luft profitiert 

 

Die desinfizierenden Eigenschaften und positiven Wirkungen auf Atemwege und Immunsystem sind schon lange bekannt. Früher blieb der Weihnachtsbaum bis zu Lichtmess am 2. Februar stehen und Pfarrer Kneipp empfahl sogar, sich ein kleines Lebendbäumchen oder Zweige ins Zimmer zu stellen. 

Mit den entströmenden ätherischen Öle dient der Weihnachtsbaum also schon lange als Luftverbesserer, der natürlichen Raumdesinfektion und somit zum Schutz vor Infekten. Nicht nur die frischen Bäume entfalten diese Wirkung, auch die getrockneten Nadeln werden für Tees, Inhalationen, Gurgelmittel und wohltuende Erkältungsbäder verwendet. Für die Weiterverarbeitung dürfen aber nur ungespritzte, pestizidfreie (im Idealfall Bio-)Bäume verwendet werden! 

In den folgenden Rezepten verwende ich immer nur den Begriff „Fichtennadeln“. Tanne und Kiefer können aber ebenso verwendet werden.

Fichtennadeltee bei Erkältungen

 

Für den eigenen Fichtennadeltee, hergestellt aus dem Weihnachtsbaum, werden nach dem Abschmücken die trockenen Nadeln einfach von den Ästen gelöst und im Ganzen aufbewahrt. Sind sie noch nicht ganz trocken, lässt man sie ein paar Tage an der Luft oder am Heizkörper nachtrocknen und füllt die Nadeln dann in verschließbare Gläser.

Man kann die getrockneten Nadeln natürlich auch mit anderen Kräutern kombinieren oder sie einfach einzeln als Tee zubereiten. Für die Erkältungszeit, bei Husten und Schnupfen, ergeben sich feine Teekreationen, wenn man Fichten- und Tannennadeln mit Salbei, Thymian und Holunderblüten mischt. 

 

Zubereitung Fichtennadeltee

2 TL getrocknete Fichtennadeln werden im Mörser zerkleinert oder zwischen den Fingern zerbrochen, mit 250 ml kochendem Wasser übergossen und dann etwa fünf Minuten zugedeckt ausgezogen. Nach der Ziehzeit wird durch ein Sieb abgeseiht. Der Fichtennadeltee kann bei Erkältungen, aber auch vorbeugend, zwei Mal täglich getrunken werden. 

Zubereitung „Heiße Fichten-Zitrone“

Man kann auch einfach ganze Zweige für ein köstliches und gleichzeitig abwehrstärkendes Getränk verwenden. Dazu den Saft einer halben Zitrone und ein kleines Fichtenzweigchen in einem Glas mit 250 ml heißem Wasser aufgießen. Kurz ziehen lassen und genießen! Die „heiße Fichten-Zitrone“ kann speziell bei Husten auch mit Honig gesüßt getrunken werden.

Der Bio-Weihnachtsbaum – auch zum Verzehr geeignet 

 

Kann man den Weihnachtsbaum essen? Ja, klar! Vielleicht nicht den ganzen Baum, aber zumindest die wohlschmeckenden Nadeln. Sie können zu kulinarischen Highlights verarbeitet werden. Der Geschmack reicht dabei von pfeffrig und orangenartig bis hin zu harzig und erfrischend zitronig. Klar ist: Pestizidbehandelte Bäume landen nicht auf dem Teller! 

Den Weihnachtsbaum aufessen statt wegwerfen – Ideen für die Küche 

 

Nach dem Abschmücken kann der ungespritzte Weihnachtsbaum kulinarisch sehr vielseitig genutzt werden. Ob zum Backen, Braten oder als Salatdressing: Alle Zubereitungen sorgen für ein feines Waldaroma und ungewohnte Gaumenfreuden. 

 

Frisch vom Baum auf den Teller:

Muss der Baum bereits ein paar Tage nach Weihnachten weichen, sind die Nadeln meist noch frisch und weich. Sie eignen sie sich perfekt zum Aromatisieren von Speisen und Getränken. Dazu werden die Nadeln von den Zweigen gelöst und mit einem Wiegemesser oder dem Pürierstab zerkleinert. Sie können zum Würzen von Ofengemüse, zum Kekse backen, Aromatisieren von Wodka und Gin oder zum Ansetzen für Öl, Essig und Honig verwendet werden.

Fichtennadel Gewürzpulver

Ist der Aufenthalt des Christbaums länger gestattet, sind die Nadeln beim Abschmücken bereits ganz trocken. So lässt sich aus ihnen mithilfe eines Mörsers oder einer Kaffeemühle/Küchenmaschine ein feines Gewürzpulver zaubern. Das Fichtennadel-Gewürzpulver kann pur zum Suppen-Verfeinern, für Dressings oder zur Herstellung von Fichtennadelsalz (siehe unten) verwendet werden.

Das Pulver ist etwa ein Jahr haltbar – was für ein Glück, denn das Waldaroma passt super zu Gegrilltem. Plus: Das Pulver kann innerlich bei Erkältungen, Bronchitis etc. eingenommen werden. Dazu einfach eine Messerspitze im Mund zergehen lassen und mit einem Schluck Wasser runterspülen. 

Weitere Ideen: „Kräuterbutter“ aus den frischen oder getrockneten Nadeln, Fichtenzuckerl zum Lutschen, Kräutersirup, … 

Rezept Fichtennadelsalz:  

Zutaten für ein kleines Glas: 

10 TL feines Natursalz (Berg-, Meer- oder Himalayasalz) 
5 TL pulverisierte Fichtennadeln

 

Zubereitung: 

Die getrockneten Fichtennadeln werden zu einem Pulver verarbeitet und mit Salz vermischt. In kleine Gläser abgefüllt, ist das Fichtennadelsalz ein Jahr haltbar und verfeinert allerlei Gerichte. Es kann sofort verwendet werden, gewinnt aber nach ein paar Tagen an Aroma.

„Waldbaden“ – der Weihnachtsbaum im Badezimmer 

 

Waldbaden, also der Aufenthalt und das bewusste Genießen und Bewegen im Wald, tut unserer Gesundheit sehr viel Gutes. Unser Immunsystem wird gestärkt und Stresshormone werden abgebaut. Grund dafür sind mitunter die ätherische Öle, die die Nadelbäume an die Luft abgeben.

Mit einem selbstgemachten Badesalz aus Fichtennadeln und ätherischen Ölen kann man sich Duft und Wirkung des Waldes ganz einfach in die Badewanne holen. Das wärmende Fichtenbad entspannt, stimuliert die Atemwege, wirkt schleim- und hustenlösend und pflegt die Haut. Es hilft beim Durchatmen und sorgt dafür, dass wir nach den Feiertagen wieder zur Ruhe kommen. Und „Waldbaden“ in der Badewanne – das klingt doch wirklich ganz wunderbar. 

Fichtennadel-Badesalz Zutaten

10 EL grobkörniges Natursalz (Berg-, Meer- oder Himalayasalz)
5 EL getrocknete Fichtennadeln 
5 Tropfen ätherisches Weißtannenöl 

 

Zubereitung Fichtennadel-Badesalz

Getrocknete Fichtennadeln mit einem Mörser zerkleinern. Ätherisches Öl in ein verschließbares Glas tropfen und Glas dabei so drehen, dass die Seitenwände benetzt sind. Abwechselnd und schichtweise das Glas mit Natursalz und zerkleinerten Fichtennadeln befüllen. Nach Belieben mit ein paar ganzen Ästchen verzieren. Glas verschließen – fertig. Das Fichtennadel Badesalz ist etwa sechs Monate haltbar.

Tipps: 

• Für ein Vollbad reichen 5 EL, die am besten in kleine Säckchen gefüllt in die Wanne gehängt werden. So wird verhindert, dass die Nadeln den Abfluss verstopfen.

• Das Fichtennadel-Badesalz ist auch für wärmende Fußbäder geeignet. Die Menge reicht für 2-3 Fußbäder. 

• Ergänzend können auch wohltuende Kräuter wie Salbei oder Thymian (getrocknet) für das Badesalz verwendet werden. Wer mag, kann außerdem 2 EL pflegendes Öl (kaltgepresstes Oliven-, Jojoba- oder Mandelöl) dazugeben. Das spendet extra Feuchtigkeit und nach dem Baden ist kein Eincremen notwendig. 

• Das Fichtennadel-Badesalz kann auch für Inhalationen bei Schnupfen sowie bei Neben- und Stirnhöhlenentzündung verwendet werden. Das Salz befeuchtet die Schleimhäute und wirkt in Kombination mit Fichtennadeln desinfizierend und verflüssigt das Nasensekret. Dazu gibt man 1-2 TL der Mischung zum heißen Inhalierwasser. Nicht für Kleinkinder geeignet!

Neben dem Badesalz ist auch das Baden in einem Fichtennadeltee eine Wohltat bei Erkältungen sowie bei Gelenk- und Rückenschmerzen, Muskelverspannungen und Sportverletzungen. Dazu wird aus einer Handvoll Fichtennadeln (frisch oder getrocknet) mit 1 Liter Wasser ein starker Tee zubereitet und nach 10-minütiger Ziehzeit (zugedeckt!) durch ein Sieb in das Badewannenwasser gegossen.

 

Fichtennadelöl

 

Die durchblutungsfördernde und gleichzeitig entspannende Wirkung von Fichtennadeln kann man sich in Form eines duftendes Körper- und Massageöls und als Einreibung bei Muskelkater und Rückenschmerzen zunutze machen. 

Zutaten und Zubereitung Fichtennadelöl

Frische oder getrocknete Nadeln mit einem Mörser, Wiegemesser oder Pürierstab gut zerkleinern und ein kleines Glas zu ca. 2/3 damit befüllen. Nun das Glas mit Olivenöl aufgießen, verschließen und das Ganze bei Zimmertemperatur etwa vier Wochen ziehen lassen. Danach durch ein Tuch abseihen und in Flaschen füllen. 

Tipp: Das Fichtennadelöl kann auch als hautpflegendes und feuchtigkeitsspendendes Körperöl nach dem Duschen in die feuchte Haut einmassiert werden. Eine Wohltat, versprochen! 

 

Weitere Ideen für die äußerliche Anwendung: Herstellung von „Franzbranntwein“, Haarwasser, Hydrolat (mit einem Destilliergerät), Pulver (Herstellung unten), für Bodypeelings, … 

Räuchern mit Fichtennadeln 

Nadelbäume entfalten beim Verglühen einen besonders feinen Duft und werden seit jeher für Räucherungen verwendet. Fichtennadeln klären den Geist, fördern die Konzentration und reinigen die Atmosphäre. Dazu wird einfach 1 TL der getrockneten Nadeln auf ein Stück Räucherkohle oder das Sieb eines Räucherstövchens gelegt.

Bereits ein kleines Ästchen des Weihnachtsbaums reicht aus, um das ganze Jahr mit duftendem Räucherwerk versorgt zu sein. Die Nadeln machen sich außerdem gut in Räuchermischungen mit z. B. Wacholder, Beifuß, Weihrauch und Salbei.

Der Weihnachtsbaum-Quirl: Handwerkliches & Praktisches aus Fichte & Co. 

 

Früher wurde die Spitze des Weihnachtsbaums häufig zu einem Küchenquirl verarbeitet. Und wie mir mein Papa berichtete, hat seine Oma den Weihnachtsbaum-Quirl zum Schlagobers-Schlagen verwendet. Das „Modell“ auf dem Foto ist übrigens eines von meiner Uroma und über 70 Jahre alt. Aber nicht nur als Küchengerät ist der ausrangierte Weihnachtsbaum eine Hilfe. Die getrockneten Ästchen sind eine prima Anzündhilfe für Grill und Ofen, die beim Anzünden wunderbar heimelig knistern. 

Anleitung Weihnachtsbaum-Quirl 

Die Spitze vom Stamm wird so abgesägt, dass sich ein guter Griff für den Quirl ergibt, der etwa 20-30 cm lang sein sollte. 

Die 4-6 Seitenäste dienen dem Quirl als „Sprossen“ und werden mit einer Zange gekürzt – sie sollten zwischen 3-5 cm lang sein – je nachdem, wie groß man den Quirl haben möchte. 

Die obere, dünne Spitze wird ebenfalls gekürzt, sodass über den Sprossen noch etwa 1 cm absteht. 

Dann wird die Rinde mit einem Messer (z. B. Stanley-Messer) abgeschält und der Quirl mit Schmirgelpapier bearbeitet, bis die Oberfläche fein und glatt ist und sich gut in der Hand anfühlt. Auch die Enden sollten gut mit Schmirgelpapier bearbeitet werden. Den fertigen Quirl kann man noch mit Öl (z. B. Olivenöl) einlassen.

Wer hätte gedacht, was so ein Christbaum alles kann? Also besser Hände weg von der pestizidbehandelten Wegwerfvariante und hin zu nachhaltigeren Weihnachten! Als nette Idee für Weihnachten könnt ihr die Upcycling-Rezepte für eure Liebsten (wenn sie kräuteraffin sind) niederschreiben und als Geschenk verpacken. So schenkt der Weihnachtsbaum viel länger Freude als nur an Heiligabend.

Der Artikel entstand in Kooperation mit SONNENTOR.

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der 
Autorin sorgfältig recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch
auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass
jeder Mensch unterschiedlich auf die Rezepte reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe
wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs etc. können Allergien, Unverträglichkeiten und andere
Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unumgänglich. Die Autorin haftet
nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen Anregungen resultieren.