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Was du über Kräuter wissen solltest, bevor du sie verwendest

Sep 8, 2019

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

Zum Thema Kräuter gibt es viel zu sagen. Es füllt ganze Bücher, bzw. bei mir schon ganze Bücherschränke, und immer mehr Menschen wollen Kräuter in ihr Leben integrieren. Ob nun für Küche, Gesundheit, Naturkosmetik oder ganz allgemein … ein paar grundlegende Dinge über Kräuter sollte aber jeder „Kräuterfan“ unbedingt wissen. Ich habe das Wichtigste für dich zusammengefasst:

Kräuter richtig sammeln: So geht’s!

 

Um das Maximum aus deinen Kräutern rauszuholen, gilt es natürlich einiges zu beachten. Das beginnt schon beim Sammeln!

Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe sind nicht gleichmäßig über die gesamte Pflanze verteilt und auch nicht über die gesamte Vegetationszeit verfügbar. Von manchen Pflanzen brauchen wir daher nur die Blätter und von anderen die Wurzel.

Die unterschiedlichen Pflanzenteile müssen dementsprechend zu verschiedenen (Jahres-)Zeiten gesammelt, unterschiedlich getrocknet und verarbeitet werden. Damit beispielsweise der Gehalt an ätherischen Ölen in der Minze am höchsten ist, sollten die Blätter vor der Blüte geerntet werden. Braucht man Blüten, wie von der Ringelblume, sammelt man diese am besten zur Mittagszeit an einem schönen, sonnigen Sommertag.

Beim Sammeln gilt immer: Gehe sorgfältig vor und betreibe keinen Raubbau! Das bedeutet unter anderem, dass du Stängel vorsichtig abschneidest und nicht mitsamt der Wurzel ausreißt. Es bedeutet auch, dass du nie alles an einem Ort abernten, sondern immer genug für Nützlinge stehen lassen solltest. Für Bienen und Hummeln zählen Kräuter nämlich zu den wichtigsten Nahrungsquellen.

Grundregeln zum Sammeln nach Jahreszeit

 

• Frühling: Blätter und junge Triebe

• Sommer: das ganze Kraut und Blüten

• Herbst und Frühling: Wurzeln 

• im Winter, bzw. bei Schnee wird nicht gesammelt!

Wann darfst du Kräuter nicht sammeln?

 

• Kennst du die Pflanze nicht, oder bist du dir nicht zu 100 Prozent sicher, darf die Pflanze NICHT gesammelt werden! Es landen nur Kräuter im Sammelkorb, die du wirklich kennst. Deine Gesundheit steht immer an erster Stelle und Verwechselungen mit Giftpflanzen können zu Vergiftungen und im schlimmsten Fall zum Tod führen!

• Neben Straßen, an Wegrändern und auch an Gleisen ist das Sammeln tabu. 

• Flächen konventioneller Landwirtschaft sind meist mit Rückständen giftiger Pestizide und synthetischen Düngemitteln belastet – auch hier lässt du die Finger besser von den Kräutern.

• In Naturschutzgebieten darf nicht gesammelt werden! Das gilt auch für generell geschützte Pflanzen wie Enzian und Orchideen.

• Ist eine Pflanze schmutzig oder hat viele Insekten-Fraßlöcher, ist sie nicht für den Gebrauch als Heilpflanze oder für den Verzehr geeignet.

• Im Winter wird ebenfalls kaum gesammelt. Die Pflanzen enthalten dann weniger Inhaltsstoffe und befinden sich in der Ruhephase.

 

 

Lose Kräuter kaufen: Das solltest du beachten!

 

Kräuter in der freien Natur zu sammeln, ist zwar die ökologischste und ökonomischste Variante, aber leider nicht für jeden möglich. Deshalb kannst du Kräuter auch in Töpfen kaufen, im Garten anbauen oder bereits getrocknet aus dem Supermarkt oder der Apotheke beziehen.

Achte beim Kauf unbedingt auf Bioqualität! Giftige Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft verwendet werden und Umwelt und Körper belasten können, haben hier nichts verloren. Kaufst du getrocknete Kräuter, sollten diese lose und die Pflanzenteile wie Blätter und Blüten in möglichst großen Stücken erhalten sein. Kräuter im Teebeutel sind sehr stark zerkleinert, bzw. fast pulverisiert. Damit gehen viele Inhaltsstoffe und so auch die Wirksamkeit verloren.

 

Warum Tee oft falsch zubereitet wird …

 

It’s tea time! Tee ist mit Abstand die beliebteste Form, um Kräuter aufzunehmen und ihnen die wertvollen Inhaltsstoffe zu entlocken. Aber lass dir sagen, Tee ist nicht gleich Tee. Manchmal ist der herkömmliche Aufguss gar nicht der beste Weg …

… sondern es bedarf einer Abkochung um beispielsweise an die schwer lösliche Kieselsäure zu kommen, wie es beim Ackerschachtelhalm der Fall ist. Abkochungen macht man aber auch bei Wurzeln und Früchten wie bei Baldrian und Hagebutte.

Daneben gibt es den Kaltauszug, bei dem Kräuter nur in kaltem Wasser angesetzt werden, um die hitzeempfindlichen Schleimstoffe nicht zu zerstören. Schleimstoffe wirken reizlindernd bei Halsschmerzen und Husten und sind in hohen Mengen in Malvengewächsen enthalten.

Und last but not least, sollte man Tee immer zugedeckt ziehen lassen, damit sich wertvolle, leicht flüchtige Inhaltsstoffe nicht mit dem Wasserdampf in Luft auflösen. Vor allem gilt das für Pflanzen mit einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen wie Kamille, Melisse und Minze.

Mit einem Tee-Mythos muss auch noch aufgeräumt werden, und zwar mit dem Irrglauben, dass Tee nur aus getrockneten Kräutern zubereitet wird. Die Trocknung stellt lediglich eine Form der Konservierung dar. Solange im Frühling und Sommer aber alles sprießt und blüht, kannst du genauso gut frische Kräuter verwenden. Probier doch mal einen Tee aus frischen Brennnesselblättern! Geschmack und Farbe sind bei frischen Kräutern oft viel intensiver.    

Merke dir also: Bevor du also zur Teekanne greifst, schau mal im Kräuterbuch deines Vertrauens nach, wie das jeweilige Kraut am besten zubereitet wird. Oder du machst meinen Kräuterkunde Online-Kurs! Auch da erfährst du genau, welche Pflanze wie zubereitet wird.

Darauf solltest du bei der Einnahme von Kräutern achten

 

• So gut wie keine Pflanze ist für den Dauergebrauch geeignet! Um Nebenwirkungen, Gewöhnungseffekte oder gar Vergiftungserscheinungen zu vermeiden, solltest du spätestens nach sechs Wochen pausieren! Achte auch stets auf die richtige Dosierung (2 TL Kraut / Tasse)!

• Achtung bei Erkrankungen! Harntreibende Pflanzen wie die Brennnessel sollten nicht bei Ödemen infolge von eingeschränkter Herz-Nieren-Tätigkeit eingesetzt werden! Bei Gallensteinen muss man mit Bitterpflanzen aufpassen, da es dadurch zu ungewollten, sehr schmerzhaften und komplikationsreichen Abgängen kommen kann.

• Achtung auch in Kombination mit Medikamenten: Johanniskraut kann die Wirkung der Anti-Baby-Pille und anderer Medikamente herabsetzen. Schleimstoffhaltige Pflanzen sollten sogar nur etwa eine Woche als Kur (drei Mal täglich als Tee oder Tinktur) eingenommen werden, da es zu einer verminderten Resorption von Medikamenten, aber auch einer verminderten Nährstoffaufnahme im Darm kommen kann.

• Nicht alle Kräuter sind in jeder Situation geeignet. So kann Beifuß in der Schwangerschaft sehr negativ, weil frühzeitig wehenauslösend, wirken. Manche Kräuter enthalten neben vielen positiven auch bedenkliche Stoffe, wie die Pyrrolizidinalkaloide. Kräuter, die diesen Stoff beinhalten, dürfen, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen und nur über einen kurzen Zeitraum angewendet werden und sind für Kinder und auch in der Schwangerschaft und Stillzeit absolut tabu.

• Manche Kräuter sind ohnehin tabu, weil sie Giftstoffe in hohen Mengen enthalten. Zu wissen, welche Kräuter giftig und welche essbar sind, ist also das oberste Gebot!

Unkraut – Wildkraut – Heilkraut?

 

Zu den Heilkräutern zählen seit jeher auch Wildpflanzen, also Pflanzen, die frei in der Natur und ohne jegliches menschliche Zutun auftreten. Sie werden von uns weder bewässert, noch vor Krankheiten und Schädlingen geschützt oder gedüngt. Bis vor etwa 10.000 Jahren, also bevor der Mensch mit Landwirtschaft und Pflanzenzucht begonnen hat, gab es auch nur Wildpflanzen. Es gab keine Kulturlandschaft mit Weizen- oder Kartoffelfeldern. Es gab nur ihre Wildformen, aus denen mittels Zucht mit der Zeit unsere Kulturpflanzen wurden.

Diese wurden auf zunehmend größeren Flächen angebaut und der unerwünschte Wildwuchs dazwischen als vernichtungswürdiges Unkraut bezeichnet. Eine sehr traurige Entwicklung, denn gerade die völlig naturbelassenen Wildkräuter sind für uns als Superfood, als Heilkräuter und auch für das Ökosystem von großer Bedeutung. Dass Wildkräuter mittels chemisch-synthetischer Spritzmittel bekämpft werden, führt zum Bienensterben und belastet die Natur enorm. Mein Tipp: „Unkraut“ besser ernten statt jäten.

Weniger ist mehr!

 

Du brauchst von Kräutern meist viel weniger, als du denkst. Das solltest du dir immer vor Augen halten, wenn du Gefahr läufst, in einen Sammelrausch zu verfallen.

Keine Sorge! Niemand kann und muss von Beginn an alle Kräuter kennen! Mit einer Handvoll, die du wirklich gut kennst, kannst du schon vieles anstellen. Ein gutes Beispiel ist das Gänseblümchen. Es hat essbare Blüten, die viel abwehrstärkendes Vitamin C enthalten und jedes Gericht optisch aufpeppen. Der Gänseblümchentee kann bei Erkältungen getrunken werden und eine selbstgemachte Gänseblümchensalbe hilft bei kleinen Wehwehchen wie Kratzern und Insektenstichen.

Ich finde es vor allem zu Beginn sinnvoller, wenige Pflanzen gut zu kennen, als viele Pflanzen nur vage zu kennen!

Wie bereits oben erwähnt, macht die Dosis das Gift und Langzeitanwendungen sollten vermieden werden!

 

Auch wenn die Welt der Kräuter und Wildpflanzen noch so aufregend und verlockend ist, muss ich nochmal betonen, dass nur das gesammelt werden darf, was man wirklich kennt! Um mehr über Kräuter zu lernen, gibt es heutzutage zum Glück viele Möglichkeiten: Kräuterwanderungen und -spaziergänge, Workshops, Online-Kurse, Bestimmungsbücher und Apps. Schau dich einfach gut um und freu dich auf viele tolle Kräutererlebnisse!