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Warum du Naturkosmetik aus dem Supermarkt nicht immer trauen kannst

Mrz 6, 2020

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

„Jedem Anfang liegt ein Zauber inne“. Damit hatte Hermann Hesse sicher recht, doch für die meisten beginnt der Schritt zur Naturkosmetik eher mit einem Schrecken darüber, was unsere alltäglichen Kosmetikartikel beinhalten: nämlich einen Cocktail aus chemisch-synthetischen Inhaltsstoffen wie Duft,- Farb-, und Konservierungsstoffen, Mikroplastik, Palmöl und Erdöl. 

Und wer sich darüber nun wundert, weil natürlich „Erdöl“ nicht als solches deklariert ist, sei beruhigt. Man müsste eigentlich ChemikerIn sein, um die Inhaltsstoffliste (= INCI International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) zu verstehen. 

Verlockende Werbeversprechen wie „Damit du dich wohl fühlst in deiner Haut“ und Abbildungen von Blüten, Blättern, Kräutern sowie Grüntöne auf den Verpackungen sollen uns die Artikel schmackhaft machen. Diese natürlichen Zutaten sucht man in den Tiegeln aber vergeblich – eine Methode des „Greenwashings“. 

Viele der Produkte, vor allem „naturnaher“ Kosmetiklabels, sind außerdem völlig überteuert. Die Kehrseite der „schönen“ Industrie: Sie bedient sich Zutaten, die als hormonell wirksam gelten, Allergien auslösen können und/oder im Verdacht stehen, krebserregend zu wirken. Und warum? Weil diese Stoffe günstig und die Herstellungskosten sehr niedrig sind. 

Aber was steckt denn jetzt tatsächlich in unseren täglichen Pflegeprodukten, was schmieren wir auf unser größtes Organ und wie viel Natur finden wir in Naturkosmetik aus dem Supermarkt? Fragen, die mich schon lange beschäftigen und die ich in diesem Artikel für dich zusammengefasst habe.

Inhaltsstoffe konventioneller Kosmetikartikel 

Durchschnittlich 9-15 verschiedene Pflegeprodukte nutzen wir am Tag. Darin enthalten sind oft über 100 Chemikalien. Unsere alltäglichen Pflegeprodukte enthalten viele Stoffe, die man bei genauerer Betrachtung lieber nicht auf die Haut schmiert. Dieser Überblick ist nur ein Bruchteil dessen, was sich in herkömmlicher Kosmetik versteckt und aus verschiedensten Gründen (ökologisch, gesundheitlich, moralisch) besser vermieden werden sollte.

Erdöl als Kosmetikrohstoff – die Haut kann nicht atmen 

Mein größtes Aha-Erlebnis bei der Umstellung auf Naturkosmetik war die Feststellung, dass sich in herkömmlichen Artikeln Erdöl in verschiedensten Formen versteckt – und das nicht selten und oft als Zutat mit dem mengenmäßig größten Anteil. Vielen „pflegenden“ und “feuchtigkeitsspendenden“ Produkten wie Lippenpflegestiften, aber auch Cremes dient es als billige Basis. 

Für die Kosmetikindustrie ist Erdöl ein wichtiger weil sehr günstiger Rohstoff, der sich gut verarbeiten lässt und sehr lange haltbar ist. Die Kehrseite: Erdöl ist eine knappe und nicht erneuerbare Ressource, ist biologisch schwer abbaubar und der Effekt auf die Haut gilt als zweifelhaft. 

Erdöl (= Mineralöl) gilt als Fremdstoff für den Körper und zieht nicht in die Haut ein bzw. wird nicht aufgenommen, sondern als Film nur angelagert. Diese „Abdichtung“ lässt die Haut nicht atmen und behindert eine gesunde Hautfunktion. Erdöl kann die Haut langfristig austrocknen. Sie wirkt zwar kurzfristig nach dem Eincremen glatt und weich, ist aber in ihrer Funktion gestört. 

Leidet man also unter trockener Haut, obwohl man sich gefühlt alle paar Minuten eincremt, kann das an Erdöl liegen. Zu finden ist es als „fettende“ Komponente in Form von Paraffinen, gekennzeichnet als Paraffinum Liquidum oder Isoparaffin sowie als (Microcrystalline) Wax oder „Vaseline“. 

Weitere Namen, unter denen sich Erdöl in Pflegeartikeln versteckt: Mineral Oil, Petrolatum, Cera Microcristallina, Ceresin, … 

Dieses Beispiel eines sehr bekannten Herstellers, der für besonders „pflegende“ und „feuchtigkeitsspendende“ Cremes und Lotionen bekannt ist und oft in blauen Metalltiegeln im Regal steht, zeigt den Einsatz von Erdöl ganz gut. Auf der Verpackung wird unter anderem mit folgendem Spruch geworben: „Für ein gutes Gefühl auf deiner Haut“. 

Und bereits als dritte Zutat in der Liste finden wir Paraffinum Liquidum. Bald danach folgen Glyceryl Stearate und Palmitic Acid (= Palmöl), Cera Microcristallina (= Erdöl), Methylparaben (= synthetische Konservierungsmittel – siehe weiter unten) sowie chemisch-synthetisch Duftstoffe. 

Erdöl dient weiters als Ausgangsstoff für viele andere Inhaltsstoffe, die in herkömmlichen Pflegeprodukten enthalten sind, wie z. B. Silikone (in Conditioner und Haarshampoos). Manche dieser Mineralölsubstanzen gelten als gesundheitlich bedenklich, da sie vom Körper leicht aufgenommen und damit in Organen angelagert werden können. Dazu gehören zum Beispiel Phthalate, PEG und chemische UV-Filter. Silikone erkennt man an der Endung -cone oder -xane. 

 

Phthalate – bedenkliche Weichmacher

Phthalate sind unter anderem aus Erdöl hergestellte chemisch-synthetische Weichmacher. Sie sind enthalten in den Plastiktuben von Zahnpasta, Duschgel und Co. Bei Kontakt mit Fetten und Ölen können sich Partikel aus der Plastiktube lösen und in die Kosmetik übergehen. 

Phthalate werden von der Haut aufgenommen und können die Schutzmechanismen beeinflussen. Sie stehen im Verdacht, in das Hormonsystem einzugreifen und Fortpflanzungsorgane zu schädigen. 

 

PEGs (Polyethylenglycol) – Einlass für Schadstoffe

Zu den PEGs (PEG und PEG-Derivate) zählen Tenside und Emulgatoren, welche in großen Mengen in Shampoo, Duschgel, Zahnpasta und vielen weiteren Kosmetikartikeln zum Einsatz kommen. PEGs werden aus umweltschädlichem Erdöl hergestellt und können unsere Haut durchlässig machen. Sie „löchern“ die Haut und lassen so Schadstoffe durch. 

Vor allem bei sensibler Haut und Allergien ist hier höchste Vorsicht geboten. Auch der Umweltaspekt sollte nicht vernachlässigt werden! Denn die biologisch schwer abbaubaren PEGs gelangen über den Abfluss in Gewässer. 

PEGs erkennt man auf der Inhaltsstoffliste unter der Abkürzung „PEG“ in Verbindung mit einer bestimmten Zahl (z. B. PEG-8). Neben den PEGs gelten auch die PEG-Derivate als kritisch, zu denen z. B. stark fettlösliche Tenside wie Sodium Lauryl Sulfate (SLS) oder Sodium Laureth Sulfate (SLES) gehören. 

Diese Tenside sind Schaumbildner und werden auch bei naturnahen Herstellern für Shampoobars, also festes Haarshampoo, Duschgels und Co. verwendet. SLS trocknet die Haut aus, kann Hautreizungen verursachen und Allergien auslösen. Zu erkennen sind PEG-Derivate an einem „-eth“ im Namen des Stoffes. In echter und zertifizierter Naturkosmetik sind PEGs und PEG-Derivate nicht zugelassen.

 

Chemische UV-Filter – schwer abbaubares Erdöl im Meer 

Neben den mineralischen UV-Filtern, die für zertifizierte Naturkosmetik verwendet werden, existieren auch chemische Filter, die in konventionellen Sonnencremes in großen Mengen vertreten sind. Als Basis dient auch hier Erdöl. 

Chemische UV-Filter stehen im Verdacht, Allergien auslösen zu können, hormonell wirksam und krebserregend zu sein. Man sollte hier außerdem über den Tellerrand blicken. Gehen wir mit konventioneller Sonnencreme ins Wasser, lösen sich die Stoffe von der Haut und können z. B. Korallen im Meer schädigen.

Unter diesen Bezeichnungen kann man chemische UV-Filter erkennen: Benzophenone (-3, -4, -5), Ethylhexyl Methoxycinnamat, Octocrylene, Homosalate, Isoamyl Methoxycinnamate, Octyl Methoxycinnamate, 4-Methylbenzylidene Camphor, Butyl Methoxydibenzolmenthane, Ethylhexyl Dimethyl PABA, … 

In diesem Lippenpflegestift, der speziell für den Aufenthalt in der Sonne gedacht ist, finden wir eine Reihe ungenießbarer Zutaten. Wenn man bedenkt, dass wir im Leben mehrere Kilogramm Lippenpflege aufnehmen und von den Lippen schlecken, dreht sich bei mir der Magen um.

Darin enthalten sind unter anderem: Petrolatum und Ceresin (= Erdöl), Octocrylene (= chemische, aus Erdöl hergestellte UV-Filter), Ascorbil Palmitate (= Palmöl), chemisch-synthetische Duftstoffe und vieles mehr. 

 

Mikroplastik und Kunststoff – die unsichtbare Gefahr   

Kunststoffe in Form von Mikroplastik, aber auch flüssige Kunststoffe, die nicht weniger umweltschädlich sind, finden sich in extrem vielen konventionellen Kosmetikartikeln. Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Kunststoffe unter fünf Millimeter bis tausend Nanometer bezeichnet. Die kleinen Mikroplastik-Kügelchen dienen in Peelings und Zahnpasta als Schleifmittel und dem mechanischen Peelingeffekt. 

Man findet Mikroplastik und flüssige, wasserlösliche bzw. gel- oder wachsförmige Kunststoffe, aber auch als Binde- und Füllmittel z. B. in Duschgels. Mikroplastik wird einerseits bewusst produziert, entsteht aber auch durch den Zerfall von größeren Kunststoffteilen wie Plastiktuben. In Plastik verpackt ist Kosmetik fast immer – egal ob konventionelle oder zertifizierte Naturkosmetik. 

Mikroplastik reichert sich in Gewässern, im Meer, in Böden, die wir landwirtschaftlich nutzen, und in Tieren an. Je kleiner die Kunststoffpartikel sind, desto höher ist die Anzahl der betroffenen Tiere, die es mit der Nahrung aufnehmen. 

Erschreckend ist auch die Tatsache, dass Plastik in der Umwelt (Boden, Gewässer) durch seine physikalischen und chemischen Eigenschaften andere Schadstoffe anzieht. Schadstoffkonzentrationen an Mikroplastik sind daher oft um ein Mehrfaches höher als im Meerwasser. Wenn Tiere diese Partikel fressen, nehmen sie zusätzlich Schadstoffe mit auf. 

Allein in Deutschland gelangen jährlich circa 1.000 Tonnen Mikroplastik und das Zigfache an flüssigen Kunststoffen allein durch Kosmetikprodukte in die Abwässer und Böden. 

Kunststoffe und Mikroplastik stellen also auf mehreren Ebenen eine große Gefahr für uns dar. Zertifizierte Naturkosmetik erlaubt den Einsatz erdölbasierter Polymere (Kunststoffe und Mikroplastik) nicht.

Auf der Zutatenliste sind Mikroplastik und Kunststoffe unter anderem unter diesen Namen zu finden (in Klammer ist die jeweilige Abkürzung angeführt): Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Polyamide (Nylon-6, Nylon-12), Polyurethan (PUR),  Acrylates Copolymer (AC), Acrylates Crosspolymer (ACS), Polyacrylat (PA), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polystyren (PS), Polyquaternium (PQ). 

 

Palmöl – verheerende Auswirkungen auf das Weltklima 

Palmöl ist ein billiges Fett und wird massenweise in der Kosmetik- und Lebensmittelindustrie eingesetzt. Tendenz steigend! Bereits ein Viertel des weltweit produzierten Palmöls wird für Kosmetik und Waschmittel, vor allem Seifen, verwendet. Es kommt in Duschgels, Shampoo, Lippenstift, Mascara, Eyeliner etc. zum Einsatz. 

Palmöl ist nicht schädlich für unsere Haut, es wirkt sogar rückfettend, aber die Herstellung ist mehr als bedenklich. Für den Anbau der schnell wachsenden Ölpalmen werden große Flächen wertvoller Regenwald gerodet, meist mittels Brandrodung, und das hat verheerende Folgen für das Ökosystem, Tiere, Menschen und das Weltklima. 

Auf der Inhaltsstoffliste ist es schwer zu erkennen, weil es so viele Namen hat. Es ist unter anderem deklariert als Palmfett, Palmitate, Palmate, Sodium Palm Kernelate, Palmitic Acid, … Es findet sich in allen Stoffen, die den Wortbestandteil „palm“ oder „palmitate“ haben.

Es kann sich aber auch hinter den Begriffen Cetearyl Alcohol, Glyceryl Stearate oder Stearic Acid verbergen oder gemeint sein, wenn lediglich „Pflanzenfett“ auf der Verpackung steht. 

Palmöl wird leider auch in der Naturkosmetik verwendet. Viele zertifizierte Naturkosmetik-Hersteller greifen dabei zu biozertifiziertem Palmöl. Ob das besser ist, sei dahingestellt. 

Parabene und Formaldehyd – können unser Hormonsystem beeinflussen

Bei beiden Stoffen handelt es sich um synthetische Konservierungsstoffe, die in Pflegeprodukten von A-Z zu finden sind. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen kann. 

Parabene können ebenfalls allergische Reaktionen hervorrufen, sich im Körper anlagern, Krebserkrankungen begünstigen und einige davon stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen. Das bedeutet, dass sie im Körper so ähnlich wie Hormone wirken. Sie sind daher potenziell gefährlich für Schwangere, Embryos und Föten sowie Kleinkinder und Jugendliche. 

Parabene und ihre Wirkungen auf den Körper sind vielfach noch nicht ausreichend untersucht. Grund genug, darauf zu verzichten! Zu erkennen sind sie unter der Endung „-paraben“ auf der Zutatenliste. Besonders häufig enthalten sind neben Propylparaben und Butylparaben (stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein) folgende Parabene: Benzylparabene, Ethylparabene, Isopropylparabene, Isobutylparabene, Methylparabene, Pentylparabene, Phenylparabene. 

In zertifizierter Naturkosmetik sind Parabene und ihre Verbindungen nicht erlaubt. 

Weitere gängige Konservierungsmittel, sogenannte Formaldehydabspaltungen, verstecken sich hinter diesen Namen: Diazolidinyl Urea, Imidazolinyl Urea, DMDM Hydantion, Sodium Hydroxymethylglycinate, … 

Weitere Konservierungsmittel sind beispielsweise Glutaraldehyde, Hexamidine, Triclosan, Idopropynyl, … 

 

Duftstoffe – allgegenwärtig reizende Stoffe 

Chemisch-synthetisch Duftstoffe sind allgegenwärtig in der Kosmetikabteilung. Alles soll gut riechen und möglichst Körpergerüche überdecken. Unsere Haut ist täglich mit zig verschiedenen chemischen Duftstoffen ausgesetzt, die auch in Waschmitteln, Weichspüler, Duftbäumchen fürs Auto und Raumdüften etc. enthalten sind. 

Was die Düfte aus dem Labor gemeinsam haben: Immer mehr Menschen reagieren darauf mit Allergien, die sie auslösen oder verstärken können. Deklariert sind sie meist nur als „Parfum“ oder „Fragrance“. Und nur eine Handvoll Duftstoffe, die als besonders allergieauslösend gelten, müssen ab einer bestimmten Menge genannt werden wie z. B.: Eugenol, Cinnamal, Citral, Limonene, Coumarin, Citronellol, Farnesol. 

Diese Duftstoffe kommen auch in zertifizierter Naturkosmetik vor. Sie sind in natürlicher Form Bestandteil vieler naturreiner ätherischer Öle. Reagiert man auf einen dieser synthetischen Duftstoffe aus dem Labor, ist aber auch bei der naturreinen Variante aus Kräutern Vorsicht geboten. Man sollte dann eher zu unbedufteten Produkten greifen. Generell sollte bei Kindern darauf geachtet werden. 

 

Aluminium – verklebt alles 

Aluminium und Aluminiumsalze finden vor allem in Deos, genau genommen in Antitranspirantien, Anwendung. Sie hemmen die Schweißproduktion, indem sie die Hautporen verkleben und den Schweißfluss unterbrechen. Aluminiumsalze können durch die Haut auch in den Körper gelangen, besonders bei verletzter Haut, etwa nach der Rasur, und stehen im Verdacht, die Gefahr mancher Erkrankungen wie Brustkrebs und Alzheimer zu erhöhen. 

Werden die Poren permanent verstopft, kann außerdem ein Schweißstau entstehen, der Hautreizungen und Juckreiz auslösen kann. Vermeiden kann man Aluminium, indem man Deos mit der Aufschrift „Antitranspirant“ nicht verwendet. Auf der Inhaltsstoffliste angeführt sind sie als Aluminium Chlorohydrate oder Aluminiumchlorid.

Viele Deo-Hersteller werben mittlerweile mit der Aufschrift „aluminiumfrei“ – was aber noch lange nicht bedeutet, dass keine anderen bedenklichen Stoffe enthalten sind. Deos strotzen meist nur so vor chemisch-synthetischen Duftstoffen. 

 

Mit Naturkosmetik aus dem Supermarkt auf Nummer sicher gehen? 

Zum Glück hinterfragen immer mehr Menschen Zutaten kritisch, die sich in Produkten verstecken. Aus diesem Grund greifen immer mehr Menschen zu Naturkosmetik-Labels. Nachfrage steigend. Man weiß nur da zu 100 % sicher, was in Zahnpasta und Creme steckt – nämlich keine chemisch-synthetischen Inhaltsstoffe und nur gute Zutaten. Aber ist das wirklich so? Ist alles, was grün aussieht, auch wirklich Naturkosmetik und ist dort nur „Natur“ drin? Leider nein. 

 

Naturkosmetik-Siegel und „naturnahe“ Kosmetikmarken

Möchte man zu Naturkosmetik greifen, fällt die Wahl schwer. In den Supermarkt Regalen begegnet uns eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an Marken und Labels. Was sie gemeinsam haben: ihnen fehlt eine einheitliche Regelung. Denn in der EU gibt es für Naturkosmetik kein einheitliches, geschütztes Label, wie es z. B. für Bio-Lebensmittel der Fall ist. Das erschwert die Orientierung im Naturkosmetik-Dschungel massiv. 

 

Zertifizierte Naturkosmetik und Trittbrettfahrer 

Für echte Naturkosmetik gibt es mehrere unabhängige Zertifizierungsstandards und Siegel (z. B. Bio Austria) sowie auch international anerkannte Zertifikate (z. B. BDIH, Ecocert und Natrue). Diesen kann man weitgehend trauen. In dieser “echten” und zertifizierten Naturkosmetik sind PEGs, PEG-Derivate, Parabene, Mikroplastik und Minderöle etc. nicht zugelassen. Daneben existiert eine Vielzahl kleinerer Labels und „Selbst-Zertifizierungen“, denen es nicht primär um die Unterscheidung Natur- oder konventionelle Kosmetik geht, sondern z. B. um die Abwesenheit von Inhaltsstoffen chemisch-synthetischen Ursprungs, eine vegane Herstellung oder den ausdrücklichen Verzicht von Tierversuchen. Kleine Marken verzichten oftmals auf die kostenpflichtige Zertifizierung und weisen z. B. auf Websites auf die Naturkosmetik-Standards hin. 

Neben der „echten“, also zertifizierten, Naturkosmetik mit Standards gibt es leider auch viele Trittbrettfahrer. Sie hängen sich ein grünes Mäntelchen um und machen den Unterschied zwischen echter Naturkosmetik und „naturnaher“ Kosmetik schwer erkennbar. 

Begriffe wie „Naturkosmetik“, „Pflanzenkosmetik“ oder „natürliche Inhaltsstoffe“ dürfen nämlich von allen Marken verwendet werden, auch wenn sich in der Tube eigentlich chemisch-synthetische und damit umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe befinden. Viele „naturnahe“ Marken nutzen diese Situation der fehlenden einheitlichen Regelung aus und mischen sich unter Naturkosmetik, ohne die Standards zu erfüllen. Sie täuschen damit die KonsumentInnen. 

Unter den vermeintlich naturnahen Herstellern befinden sich renommierte Marken wie Body Shop, Lush oder Yves Rocher. Exklusive Shops, stylische Verpackungen und Werbeslogans wie “handgemacht“, “Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs“, „parabenfrei“, „silikonfrei“, „grüne Chemie“, „mit frischem Obst, Gemüse und ätherischen Ölen“ sollen Naturnähe vermitteln. Betrachtet man die Zutatenliste genauer, finden sich problematische Konservierungsstoffe wie Parabene, chemische UV-Filter, PEGs und vieles mehr. 

An diesem Beispiel einer naturnahen Marke, bei der es auch mich erschreckt hat, sieht man die Vorgehensweise sehr gut. Geworben wird mit „Naturkompetenz“ und einer „natürlichen, pflanzlichen Pflegeformel“. Man findet Hinweise wie „ohne Tierversuche“ und ohne „Silikon- und Mineralöl“ auf der Plastiktube. 

An zweiter Stelle der Zutatenliste finden wir bereits Sodium Laureth Sulfat (SLES) – ein Tensid, hergestellt aus Erdöl. Außerdem aus Erdöl hergestellte Emulgatoren wie PEGs (PEG-40, PEG-18, PEG-14M), chemisch-synthetische Duftstoffe und Palmöl (Hydrogenated Palm Glycerides Citrate), um nur ein paar der bedenklichen Zutaten dieses „natürlichen“ Produkts zu nennen. 

Zertifizierte Naturkosmetik und ihre Schattenseiten

Und auch wenn wir zu zertifizierter Naturkosmetik greifen, muss das leider noch immer nicht heißen, dass alles gut ist. In den genauen Beschreibungen der jeweiligen Siegel und Standards finden sich z. B. Vorschriften, die besagen, dass die Inhaltsstoffe zu 90 oder 95 % biologischen Ursprungs sein müssen. Der Rest darf sich damit also aus Zutaten nicht-biologischen Ursprungs zusammensetzen. 

Als studierte Agrarwissenschaftlerin ist mir persönlich gerade dieser Aspekt besonders wichtig. Denn nur kontrolliert biologische Landwirtschaft verzichtet auf umweltschädliche, chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel, fördert den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit sowie die Artenvielfalt.

Und leider finden wir auch bei zertifizierter Naturkosmetik immer wieder unerwünschte und problematische Inhaltsstoffe wie Palmöl. Es bildet in vielen „Naturseifen“ als billiger Rohstoff die Basis. 

Ein weiteres Problem ist, dass manche echte Naturkosmetik-Labels zu weltweit agierenden Konzernen gehören. Der Naturkosmetikpionier Logocos, zu dem bekannte Naturkosmetik-Marken wie Logona und Sante zählen, gehört neuerdings L’Oréal und L’Oréal ist wiederum bei Nestlé beteiligt. 

Nur mit selbstgemachter Naturkosmetik macht man sich ein Stück weit unabhängig von der Kosmetikindustrie, zu der auch weltweit agierende Konzerne zählen. Wer selber rührt, kann sich immer sicher sein, dass die verwendeten Zutaten nicht an Tieren getestet wurden. Auch hier werden immer wieder Skandale aufgedeckt.

Selbstgemachte Naturkosmetik ist zudem umweltschonender und nachhaltiger als gekaufte Naturkosmetik. Denn auch die kommt – ob zertifiziert oder nicht – meist in der Plastiktube daher. Bei selbstgemachter Naturkosmetik kommt weniger Plastik zum Einsatz. Es fällt damit weniger unnötiger Verpackungsmüll an und die selbstgemachten Cremes und Co. werden in wiederverwendbare Glasgefäße gefüllt.

Ein weiterer Trick der Kosmetikindustrie – ob Bio, konventionell, zertifiziert oder nicht – ist, dass uns vorgemacht wrid, dass wir für jeden Zeh’ 😉 ein eigenes Produkt brauchen. Das regt zum ständigen Konsum an und lässt die Plastikberge im Badezimmer wachsen. Ich bin für das Motto “Weniger ist mehr” im Badezimmer. Ein bisschen Minimalismus. Eine Handvoll natürlicher Pflegeartikel reicht für den ganzen Körper. Erst durch das Selberherstellen lernt man die Rohstoffe und Zutaten so richtig schätzen und man merkt, wie ergiebig selbstgemachte Naturkosmetik ist.

Deswegen rate ich euch, wirklich genau hinzusehen, zu hinterfragen ob man das fünfte Shampoo nun auch wirklich braucht und am besten Naturkosmetik selbst zu rühren ;)!

 

Quellen:
Greenpeace
BUND Einkaufsratgeber
Barbara Hoflacher „Du darfst auf meine Haut“
Werner und Braunschweig „Praxis Aromatherapie“
Global2000:
https://www.global2000.at/sites/global/files/Naturkosmetik-Check.pdf
https://www.global2000.at/sites/global/files/Naturkosmetiksiegel.pdf
https://www.global2000.at/sites/global/files/Keine-Naturkosmetik.pdf
www.utopia.de
www.codecheck.info

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der Autorin sorgfältig recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass jeder Mensch unterschiedlich auf die Rezepte reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs etc. können Allergien, Unverträglichkeiten und andere Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unumgänglich. Die Autorin haftet nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen Anregungen resultieren.