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Voll Fett – Pflanzenölauszüge

Jul 17, 2019

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

Ölauszüge sind Auszüge von Wild-, Garten- und Heilpflanzen in flüssigen Pflanzenölen und dienen hauptsächlich der äusserlichen Anwendung als Einreibung oder werden weiterverabeitet zu Salben und Cremen. Sie beinhalten neben den Wirkstoffen der eingelegten Pflanze oder der Pflanzenteile auch die des jeweiligen Öls.Ihre Einsatzgebiete sind unglaublich vielfältig und reichen von der Hautpflege- und krankheiten, über Sonnenbrand bis hin zu vielfältigen Anwendungen in der Naturheilkunde. Ich zeige euch hier, wie’s geht…

Das Öl

Zum Lösen der Pflanzeninhaltsstoffen kam früher, mangels Alternativen, Schweineschmalz zum Einsatz. Heute werden flüssige Pflanzenöle verwendet. Ich bevorzuge aufgrund seiner positiven Eigenschaften für die Haut und seiner langen Haltbarkeit das universell einsetzbare Olivenöl.

Es gibt natürlich noch viele weitere für Auszüge geeigntete Öle wie zum Beispiel Jojoba- , Mandel- oder Sonnenblumenöl. Die Wahl des Öls hängt von den Vorlieben oder auch ökologischen Überlegungen ab und kann auf die persönlichen Hautbedürfnissen abgestimmt werden. Hier gibt’s einen weiteren Überblick über fette Pflanzenöle.

Allgemein sollten hochwertige und kaltgepresste Öle verwendet werden. Diese wirken regenierend, wundheilend und ernähren die Haut. Ich lege zusätzlich viel Wert auf Produkte aus ökologischem Anbau und verwende Bio Öle.

 

Die Pflanze

 

Ölauszüge können aus den verschiedensten Wild- und Heilpflanzen wie z.B. Johanniskraut und Ringelblume hergestellt werden. Es sollte auch bedacht werden, dass nicht alle sekundären Pflanzenwirkstoffe öl-löslich sind. Gut in Fett lösen lassen sich ätherische Öle, Cumarine, Flavonoide, manche Vitamine und Carotinoide.

Es werden jeweils nur gewisse Teile der Pflanze verwendet, da die heilkräftigen Inhaltsstoffe nicht gleichmäßig über die gesamte Pflanze verteilt sind. Und so nimmt man von der Ringelblume z.B. nur die Blüten und vom Johanniskraut Blüten und Blätter, das bedeutet das blühende Kraut.

Die verwendeten Pflanzenteile können frisch gepflückt oder getrocknet zu einem Ölauszug verarbeitet werden.

Bei frischem Pflanzengut sollte darauf geachtet werden, dass dieses nicht nass ist. Bei Feuchtigkeit kann das Öl zu schimmeln beginnen. Es empfiehlt sich daher Pflanzen nur an regenfreien, idealerweise sonnigen Tagen, ab dem späten Vormittag bzw. zur vollen Blüte in der Mittagszeit zu sammeln.

 

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Schritt für Schritt zum Ölauszug

 

Schritt 1: Zu Beginn die Pflanzenteile gut zerkleinern.

Schritt 2: Anschließend ein verschließbares Glasgefäß (z.B. Marmeladeglas) zu zwei Drittel damit befüllen und dieses vollständig mit Öl auffüllen, so dass alle Pflanzenteile vollständig bedeckt sind.

Schritt 3: Gefäß verschließen und gut schütteln. Tipp: Um Feuchtigkeit entweichen zu lassen – die im schlimmsten Fall zu Schimmel führt – kann bzw. sollte der Auszug die ersten Tage nur mit einem Tuch abgedeckt werden.

Schritt 4: Das Ganze lässt man etwa 4 Wochen an einem warmen Platz stehen und schüttelt gelegentlich.

Schritt 5: Nach der Ziehzeit das Öl durch ein Tuch oder einen Kaffeefilter abseihen und in eine Flasche umfüllen.

 

Schritt 6: Nach dem Abseihen kann der Ölauszüge sofort pur als Körperöl bzw. Einreibung bei Beschwerden aufgetragen oder zu Heilsalben und Cremen weiterverarbeitet werden.

Schritt 7: Kühl und dunkel gelagert sind Ölauszüge 1- 2 Jahre haltbar.

Heiß oder kalt?

 

Bei der Herstellung von Ölauszügen gibt es zwei unterschiedliche Methoden: Kalt- und Heißauszug. Beim Kaltauszug lässt man die Pflanzen über einen längeren Zeitraum bei Zimmertemeperatur ziehen (siehe oben). Beim Heißauszug werden Pflanzen und Öl im Wasserbad für mehrere Stunden erhitzt, wobei das Wasser nicht kochen sollte! Der Heißauszug empfiehlt sich, wenn man nicht 4 Wochen auf das fertige Öl warten möchte, die Pflanze nass und sehr wasserhaltig ist (betrifft Frühlingspflanzen und Wurzeln) oder an trüben Tagen gesammelt wurde.

 

 

Ölauszüge im Sommer

 

Zurecht sehr beliebt und gängige Pflanzen für Ölauszüge sind  Johanniskraut und Ringelblume. Man spricht beim fertigen Ölauszug dann auch vom Johanniskraut- oder Ringelblumenöl. Beide Pflanzen werden im Sommer, traditionell um Johanni, geernet. Das Johanniskraut sammelt man wild an sonnigen, trockenen Standorten in Wiesen, Weiden und am Waldrand und die Ringelblume findet man im Garten.

 

Das Johanniskrautöl

 

Das Johanniskrautöl wird in der Naturheilkunde bei Verbrennungen, Sonnenbrand, Hexenschuss, Nervenschmerzen, Muskelverspannungen, Rheumaschmerzen und allgemein zur Hautpflege verwendet. Für den Ölauszug werden Blüten und Blätter der frischen Pflanze von den Stängeln gestreift.

Das Johanniskrautöl ist auch als Rotöl bekannt. Den Namen hat es von der leuchtend roten Farbe des fertigen Öls. Schon beim Zerkleinern der Blüten verfärben sich die Finger rot und bereits nach 1-2 Tagen wird die rubinrote Färbung im Ölauszug sichtbar. Wer die Johanniskrautblüten einmal genauer betrachtet, entdeckt auf den Blüten kleine schwarze Punkte bzw. “Flecken”. Es handelt sich dabei um winzig kleine Farbdrüsen, die für die Farbe verantwortlich sind.

An folgenden Merkmalen erkennt man das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum):

1. Die gelbe Blüte besteht aus fünf gelben Blütenblättern mit vielen Staubgefäßen. Zerreibt man die Blüten zwischen den Fingern, färben sich diese rot.
2. Der Stängel ist zweikantig.
3. Hält man die grünen Laubblätter gegen das Licht, erscheinen diese aufgrund der transparenten Öldrüsen „durchlöchert“.

Ringelblumenöl, Gänseblümchen & Co.

 

Die Ringelblume gilt aufgrund ihrer Inhaltstoffe in der Naturheilkunde als DAS Wundheilmittel schlechthin. Der Ringelblumenölauszug sowie die später daraus gerührte Salbe sollen wundheilend, desinfizierend und entzündungshemmend wirken. Verwendet werden hierfür nur die Blütenköpfe. Einsatzgebiet sind u.a. kleine oberflächliche Wunden, Narben, oberflächliche Schürf-, Schnitt- und Brandwunden, Hautentzündungen, sehr trockene und rissige Haut sowie Schwangerschaftsstreifen.

Gänseblümchen

Das Gänseblümchen finden wir fast das ganze Jahr. Für Ölauszüge sammle ich am liebsten im Frühling. Ölauszug und Salbe gelten als wundheilend und werden bei chronischen Hauterkrankungen, blauen Flecken, Juckreiz und Insektenstichen eingesetzt. Das Gänseblümchen ist in allen Varianten bestens für Kinder geeignet und kann ganz einfach zu einer Salbe verarbeitet werden. 

Beinwell

Die schleimstoffhaltige Wurzel wird im Herbst oder Frühling gegraben. Ölauszug und Salbe beschleunigen Zellaufbau und Gewebeneubildung und sollen reiz- und schmerzlindernd, abschwellend und durchblutungsfördernd wirken. Einsatzgebiete in der Naturheilkunde sind Knochenbrüche, Zerrungen, Prellungen, Blutergüsse und Sehnenscheidenentzündungen. Hier empfiehlt sich eher der Heißauszug.

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der Autorin sorgfältig recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass jeder Mensch unterschiedlich auf die Rezepte reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs etc. können Allergien, Unverträglichkeiten und andere Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unumgänglich. Die Autorin haftet nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen Anregungen resultieren.

 

 

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