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Selbstgemachtes Wander-Kit aus der Natur

Jun 18, 2020

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

Wer viel in der Natur und im Freien unterwegs ist, kennt die kleinen “Gefahren”, die in Wiese, Wald und Bergen lauern. Mücken, Blasen an den Füßen und kleine Wehwehchen können uns die Tour ganz schön vermiesen. 

Damit diese Misslichkeiten den großen Abenteuern in der Natur nicht im Wege stehen, habe ich für dich ein hilfreiches Wander-Kit aus Kräutern & Co. zusammengestellt, das garantiert in jeden Rucksack passt.

 

Mit im Gepäck sind ein Mückenstich Roll-On, eine „Beinwohl“-Salbe, ein selbstgemachter Gipfelschnaps, ein Kräuterbalsam für dufte Nächte im Hüttenlager und Kräuter-Tipps gegen Blasen und Zecken. Also: GipfelstürmerInnen, Bergfex, Wander- und NaturfreundInnen aufgepasst, mit diesen DIYs steht einem entspannten Sommer in der Natur nichts mehr im Wege. 

 

Mückenstich Roll On 

Spitzwegerich ist eine lang geschätzte Heilpflanze und wurde völlig zu Unrecht als “Unkraut” verteufelt. Seine Einsatzgebiete sind weitreichend und vielseitig. 

 

Das Tolle an Spitzwegerich: Er ist so gut wie überall zu finden und leicht erkennbar. Die grundständigen Blätter sind spitz zulaufend, verschmälern sich zum Boden hin und haben auf der Rückseite drei bis sieben deutlich fühlbare Blattadern. Die Blüte ist braun und eher unscheinbar. Der Blütenstängel ist kantig und gefurcht, blattlos und pro Stängel befindet sich an der Spitze jeweils nur eine Blüte. Die Blätter finden wir bereits ab März und dann den ganzen Sommer hindurch, seine Blütezeit ist Mai/Juni.

 

Spitzwegerich enthält eine Vielzahl an wertvollen Pflanzeninhaltsstoffen, mitunter auch Schleimstoffe, welche auf die Haut eine juckreiz- und schmerzlindernde, beruhigende, abschwellende und leicht kühlende Wirkung haben können. Perfekt also für fiese Mückenstiche. 

Dazu kann man ein frisches Blatt Spitzwegerich verwenden, zwischen den Fingern zerknüllen, bis etwas Pflanzensaft austritt und dann auf den Stich auflegen. Juckreiz, Schwellung und Rötung gehen zurück und lindern den Stich. Spitzwegerich hat zusätzlich desinfizierende und entzündungshemmende Eigenschaften und hilft so der Haut bei der “Heilung”. 

Frisch als Blatt angewendet, bezeichnet man den Spitzwegerich auch als “Wiesenpflaster”. Nun hat man aber nicht immer frischen Spitzwegerich zur Hand. Abhilfe schafft daher das Spitzwegerich Mückenstich Roll-On, das überall mit hin genommen und bei Bedarf aufgetragen werden kann.

 

Und so geht’s: 

Zuerst wird eine Spitzwegerich-Tinktur aus den Blättern hergestellt. Es handelt sich dabei um einen pflanzlichen Auszug in Alkohol, bei dem die reizlindernden und helfenden Wirkstoffe des Spitzwegerichs durch eine längere Ziehzeit in den Alkohol übergehen. 

 

Zutaten für die Tinktur

frische Spitzwegerichblätter
ca. 40%-iger Alkohol (Korn, Wodka)

 

Zubereitung Tinktur

Für die Tinktur werden die Blätter kleingeschnitten und ein kleines Glas (eine Füllmenge von 50-100 ml ist ausreichend) etwa zur Hälfte damit befüllt. Dann wird das Glas mit dem Alkohol aufgegossen und verschlossen. Den Auszug lässt man vier Wochen bei Zimmertemperatur im Schatten ziehen und schüttelt immer wieder. Danach wird die Tinktur durch ein Sieb abgeseiht und in kleine Fläschchen umgefüllt.

Zubereitung Roll-On

Ein 10 ml Roll-On Fläschchen wird dann zur Hälfte mit der Tinktur befüllt und der Rest mit einem nativen Pflanzenöl, das zusätzlich wundheilende und hautregenerierende sowie pflegende Eigenschaften aufweist, aufgegossen. 

Ich verwende hier gerne natives Bio-Jojobaöl. Auch ein Ölauszug (z. B. das wundheilende Ringelblumenöl) ist hier geeignet. 

Abschließend kann man noch ca. 3 Tropfen ätherische Öle hinzufügen. Ich wähle gerne einen Tropfen ätherisches Pfefferminzöl, das kühlend wirkt und den Juckreiz nimmt, einen Tropfen ätherisches Lavendelöl als “Hautberuhiger” und einen Tropfen ätherisches Teebaumöl. Letzteres wirkt desinfizierend und entzündungshemmend. 

Nach dem Einfüllen von Tinktur und Öl wird man sehen, dass sich die Phasen trennen. Vor Gebrauch sollte man das Mückenstich Roll-On daher immer gut schütteln. Die ätherischen Öle können auch weggelassen werden. 

Achtung: Ätherisches Pfefferminzöl ist nicht für Kinder und nicht in der Schwangerschaft geeignet! 

 

Tipp: Die restliche Spitzwegerich-Tinktur kann in andere Naturkosmetik-Rezepte eingearbeitet oder als Hustentropfen verwendet werden. 

 

Blasenpflaster aus der Natur

Blasen und schmerzende Druckstellen an den Füßen können uns die schönste Bergtour und den tollsten Waldspaziergang vermiesen. Wie gut, dass natürliche Hilfe am Wegrand wächst! Denn dort finden wir nicht nur den wunderbaren Spitzwegerich, sondern auch seinen kleinen Bruder: den Breitwegerich. 

In der Volksheilkunde wird dieser auch „Blasenpflaster der Natur“ genannt. 

 

Breitwegerich hat, wie es sein Name verrät, breitere Blätter als der Spitzwegerich und begegnet uns von Frühling bis Herbst bis zu einer Höhe von 2.500 Metern. Bei Bedarf wird eines der Blätter gepflückt, auf die betroffene Stelle gelegt und mit dem Socken fixiert. Das wirkt erfrischend, kühlend, belebend und lässt uns leichten Schrittes weiter marschieren. 

 

DIY Beinwohl-Salbe mit Rosmarin und Wacholder

Wenn uns nach einem langen Tag auf den Beinen, sei es Berg- oder Radtour, die Beine quälen und sich ein fieser Muskelkater ankündigt, ist rasche Hilfe gefragt. 

Wer dabei auf die Kraft der Kräuter setzen möchte, greift am besten zu Rosmarin und Wacholder. Beide sind wahre „Sport-Talente”, denn mit ihren Inhaltsstoffen sorgen sie für eine gute Durchblutung, wirken belebend und leicht schmerzstillend. Verarbeitet zu einer erfrischenden „Beinwohl“-Salbe kommen müde Beine ganz schnell wieder auf die Füße!

 

Zutaten für einen kleinen Tiegel:

50 ml natives Bio-Pflanzenöl (Jojobaöl oder Olivenöl)

5 g naturbelassenes Bienenwachs (vegan: 2,5 g Carnaubawachs)

2 TL Wacholderbeeren 

2 TL Rosmarin (frisch oder getrocknet)

3 Tropfen ätherisches Rosmarinöl

2 Tropfen ätherisches Wacholderöl

2 Tropfen ätherisches Zitronenöl 

 

Und so geht’s:

Zuerst wird ein Ölauszug aus Wacholder und Rosmarin hergestellt. Dazu werden Wacholderbeeren und Rosmarin im Mörser angedrückt und gemeinsam mit dem Pflanzenöl in ein verschließbares Glas gefüllt. 

Das Ganze lässt man dann zwei bis vier Wochen bei Zimmertemperatur an einem schattigen Platz ziehen und schüttelt immer wieder. Nach der Ziehzeit wird der Ölauszug aus Wacholder und Rosmarin abgefiltert und die Pflanzenrückstände aufgefangen. 

 

Für die Weiterverarbeitung zur Salbe lässt man das Bienenwachs (oder alternativ Carnaubawachs) im heißen Wasserbad langsam schmelzen und rührt anschließend den Ölauszug aus Wacholder und Rosmarin unter. 

Dann nimmt man das Gemisch aus dem Wasserbad und lässt es etwas abkühlen. Abschließend werden die ätherischen Öle eingerührt und die „Beinwohl“-Salbe in kleine Glastiegel gefüllt.

 

“Nase Frei”-Kräuterbalsam

Vom wohlverdienten Gipfelerfolg getränkte Wandersocken, verschwitzte Sportkleidung und vielleicht das eine oder andere Gipfelschnäpschen … im Hüttenlager riecht es meist nicht nach Veilchen. Und das kann selbst dem hartgesottensten Bergfex den Schlaf rauben. 

Möchte man, dass sich fiese Gerüche in Luft auflösen, darf der selbstgemachten „Nase Frei“-Kräuterbalsam bei der nächsten Hüttentour nicht fehlen. Rund um die Nase aufgetragen, verbreitet der Balsam einen herrlich frischen Duft. Die ätherischen Öle helfen außerdem dabei, freier durchatmen zu können und halten so vielleicht die eine oder andere Schnarchnase im Hüttenlager in Schach.

Zutaten:

10 g Jojobaöl

5 g Kakaobutter

3 g naturbelassenes Bienenwachs (vegan: 1,5 g Carnaubawachs)

3 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl

2 Tropfen ätherisches Eukalyptusöl

2 Tropfen ätherisches Orangenöl

 

Zubereitung:

Kakaobutter und Bienenwachs (oder Carnaubawachs) langsam im heißen (nicht kochenden) Wasserbad schmelzen lassen. Dann Jojobaöl gut unterrühren und die Mischung aus dem Wasserbad nehmen. Etwas abkühlen lassen und abschließend die ätherischen Öle unterrühren. Dann nur noch in Tiegel füllen und fertig!

Hinweis: Da es sich bei ätherischen Ölen um hochkonzentrierte Pflanzensubstanzen handelt, ist bei der Anwendung Vorsicht geboten! Bitte nicht unverdünnt und nicht rund um die Augenpartie auftragen. Besondere Vorsicht ist bei Bluthochdruck, Asthma, in der Schwangerschaft und bei Kleinkindern geboten. 

 

Kokosöl und Lavendel gegen Zecken 

Blutsaugende Zecken sind lästig und unangenehm, aber leider zuhauf in Wiese und Wäldern anzutreffen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es leider nicht und jedeR hat wohl schon mal einen bereits angebissen Zeck mit nach Hause gebracht. 

Mit einem “Kombipaket” aus mehrere Maßnahmen kann man die Gefahr eindämmen: Lange (helle) Kleidung, wenn man in hohen Wiesen unterwegs war, gründliches Absuchen und Duschen nach dem Aufenthalt im Freien und natives Bio-Kokosöl gehören zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen, damit sie erst gar nicht anbeißen. 

Kokosöl enthält eine gewisse Fettsäure, die Laurinsäure, und diese haben Zecken anscheinend gar nicht zum Fressen gerne. Vor dem Aufenthalt im Freien reibe ich Beine und Hände mit Kokosöl ein, das ich mit etwas ätherischem Lavendelöl vermische. Wenn ich länger draußen unterwegs bin, nehme ich mir einen kleinen Tiegel mit und reibe mich alle paar Stunden damit ein. Auf 2 EL Kokosöl nehme ich 1-2 Tropfen ätherisches Lavendelöl. 

Netter Zusatzeffekt für den Sommer: Kokosöl hat eine leicht kühlende und straffende Wirkung auf die Haut. Und man riecht sehr gut 😉 

 

 

Natürliche After-Sun-Rezepte kannst du hier nachlesen. 

 

Selbstgemachter Kräuterschnaps für GipfelstürmerInnen

Es ist immer wieder ein wunderschönes Gefühl, nach einer Wanderung am Gipfel zu stehen und den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Mit einem selbstgemachten Kräuterschnaps lässt es sich auf Gipfelerfolg und Bergtour besonders prima anstoßen!

Bestehend aus Melisse und Gewürzen schlägt man mit diesem abgewandelten Melissengeist-Rezept außerdem gleich drei Fliegen mit einer Klappe. Denn der Kräuterschnaps kann nicht nur getrunken, sondern auch als milder, beruhigender Schlummertrunk für eine Nacht im Hüttenlager und auch als kräftigende und erfrischende Einreibung für müde Beine dienen. Prosit!

Zutaten für 250 ml selbstgemachten Kräuterschnaps:

1 Handvoll frische Melisse

½ TL Nelken

½ TL frisch geriebener Ingwer

½ TL zerbrochene Zimtstange 

1 Messerspitze geriebene Muskatnuss

250 ml 40%-iger Alkohol (Wodka, Korn)

 

Zubereitung:

Alle Zutaten gemeinsam in ein Glas füllen und verschließen. Mindestens zwei Wochen bei Zimmertemperatur ziehen lassen und gelegentlich schütteln. Danach abseihen und in eine Flasche umfüllen.

Wer auf Hochprozentiges lieber verzichtet, kann den Alkohol einfach durch einen Liter kochendes Wasser ersetzen. Aus den Kräutern und Gewürzen wird so ein wohltuender Tee zum Mitnehmen in der Thermoskanne. 

 

Beim Umgang mit ätherischen Ölen bitte immer beachten: 

Ätherische Öle … 

• sollten am besten in Bioqualität gekauft werden und die Kennzeichnung 100 % naturrein beachtet werden

• können Hautreizungen und Allergien verursachen 

• sind nicht wasserlöslich, leicht flüchtig und entflammbar

• dürfen bis auf wenige Ausnahmen nicht bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden 

• dürfen in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei älteren Personen, Asthma, Epilepsie, Bluthochdruck, Allergien und Hauterkrankungen nur mit größter Sorgfalt und am besten in ärztlicher Absprache verwendet werden

• bitte immer verschlossen, kindersicher und fern von Haustieren aufbewahren (ätherische Öle sind z. B. für Katzen toxisch)

• bitte niemals in die Augen reiben und nicht auf Schleimhäute auftragen 

• dunkel lagern und innerhalb weniger Monate aufbrauchen 

• in Glasgefäßen lagern, da sie Plastik angreifen können

 

Dieser Artikel entstand zum Teil in Kooperation mit SONNENTOR (Werbung Kooperationspartner). 

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der Autorin sorgfältig 
recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und/oder
Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass jeder Mensch unterschiedlich auf die Rezepte
reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs etc. können Allergien,
Unverträglichkeiten und andere Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unumgänglich. Die Autorin
haftet nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen Anregungen resultieren.