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[Rezept] Neunkräutersuppe oder die wilde Gründonnerstagssuppe

Apr 6, 2020

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

Am Gründonnerstag denkt jedeR an Spinat mit Spiegelei. Ich möchte dir eine besonders leckere Alternative dazu vorstellen, die den ganzen Frühling hindurch genossen werden kann!

Der Brauch, Grünes am Gründonnerstag zu verzehren, ist eine uralte, vom Christentum übernommene Tradition, bei der Wildkräuter gesammelt und in Form der „Neunkräutersuppe“ verzehrt wurden. Die ersten Wildkräuter des Jahres galten schon immer als besonders heilkräftig. Nach dem Winter sehnte man sich nach frischer Nahrung und die Menschen wussten genau, wo und wann welche frischen, knackigen und vitaminreichen Kräuter im Frühling gepflückt werden konnten. Man erhoffte sich durch den Verzehr Gesundheit für das ganze Jahr.

 

Lange als Unkraut verschrien, weiß man heute, dass gerade wilde Pflanzen ein regelrechtes Superfood sind. Und darüber hinaus wachsen sie kostenlos, regional und saisonal vor unserer Haustüre. Antioxidantien, Vitamine, Bitterstoffe und vieles mehr sind in den wilden grünen Kraftpaketen enthalten – und zwar in sehr viel höheren Mengen als in Obst, Gemüse und Salat aus dem Supermarkt.

Wildkräuter überzeugen aber nicht nur durch ihre hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalte, sondern auch durch ihren Geschmack. Giersch etwa, ein besonders unbeliebtes Unkraut in Gärten, schmeckt nach einer Mischung aus Karotte und Petersilie. Vogelmiere hingegen erinnert geschmacklich an Mais.

 

Welche Wildkräuter in die Suppe kommen, ist dem persönlichen Gusto überlassen. Auch früher variierte die Zusammensetzung der Suppe von Region zu Region. Doch sollten es neun verschiedene Wildkräuter sein. Ich liebe in der Suppe diese Zusammensetzung:

Bärlauch, Vogelmiere, Brennnessel, Gundelrebe, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Knoblauchrauke, Giersch und Löwenzahn.

Bärlauch

Bärlauch zählt zum ersten frischen, kraftvollen Grün des Jahres und dank seines knoblauchartigen Geschmacks zu den beliebtesten und bekanntesten Wildkräutern. Unsere Küchen und Herzen hat er aber nicht nur wegen seines hervorragenden Geschmacks, sondern auch aufgrund seiner gesundheitsfördernden Wirkungen erobert. Bereits Kräuterpfarrer Künzle wusste: „Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch.“

Bärlauch enthält schwefelaktive Substanzen, Senföle und ätherische Öle, welchen den ganzen Stoffwechsel anregen, gegen eine Vielzahl an Viren und Bakterien wirksam sind und die Verdauung fördern. Sein hoher Gehalt an Eisen und Vitamin C stärkt unsere Abwehrkräfte und wirkt unterstützend bei Erkältungen. Mehr zu Bärlauch, Rezepten und seinen Erkennungsmerkmalen hier.

 

Vogelmiere

Die Vogelmiere gehört eindeutig zu den unscheinbaren Pflanzen unserer Flora. Dabei ist auch sie ein wahres heimisches Superfood. Vogelmiere enthält zwei Mal mehr Calcium, drei Mal mehr Kalium, Magnesium, sieben Mal mehr Eisen und zwei bis acht Mal mehr Vitamin C und A als Kopfsalat. Aufgrund dieser Nährstoffdichte gilt sie als stärkend für den gesamten Organismus.

Sie ist also gerade jetzt dafür geeignet, der weit verbreiteten Frühjahrsmüdigkeit entgegenzuwirken. Als lästiges Unkraut gilt sie, weil sie mehrere Generationen pro Jahr ausbildet und offene und nährstoffreiche Böden, wie sie in Gärten und am Acker zu finden sind, liebt und rasch besiedelt. Schlecht für alle, die einen englischen Rasen im Garten wollen, gut für diejenigen, die sich das ganze Jahr über Vogelmieren-Nachschub freuen.

Da die Vogelmiere sehr zart und fein wächst, kann man bei flächenartigem Auftreten Einzelpflanzen kaum erkennen. Auch der Versuch, einzelne Blätter zu ernten, gestaltet sich als sehr mühsam. Deshalb werden beim Sammeln einfach ganze Büschel abgeschnitten. Das Tolle: Von der Vogelmiere können alle Teile gegessen werden: Blätter, Stängel und Blüten.

Wichtiges Erkennungsmerkmal: Der Stängel der Vogelmiere ist einreihig behaart.

Brennnessel

Die Brennnessel schmeckt herrlich und ist für die Küche wie auch die Gesundheit sehr wertvoll. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie als Unkraut verteufelt, in Gärten bekämpft wurde. Heute wissen wir um ihre vielfältigen Qualitäten und verzeihen ihr unschöne Kindheitserinnerungen. Ein alter Rätselspruch weist auf ihre hautreizende Wirkung hin: „Was brennt ums ganze Haus und das Haus verbrennt doch nicht?“ Und er verrät noch eines, nämlich, dass die Brennnessel gerne in Menschennähe wächst. Praktisch, denn so kann sie von Frühjahr bis Herbst immer frisch geerntet werden.

Aber was macht die Brennnessel denn nun zum Superfood? Und zwar eine geballte Power an Vitaminen, Mineralien und antioxidativ wirkenden Inhaltsstoffen. Im Vergleich zu Obst und Gemüse aus dem Supermarkt wird das schnell deutlich. So punktet die Brennnessel zum Beispiel mit fünf Mal mehr Vitamin C als Zitronen. Vitamin A, Kieselsäure, Chlorophyll und eine gute Portion Eisen machen sie außerdem zum „besseren“ Spinat. Hätte Popeye das damals schon gewusst, wer weiß, welche Superkräfte er noch entwickelt hätte?

In der Küche kann man die Brennnessel tatsächlich wie Spinat zubereiten, auch Brennnessel-Pesto schmeckt genial und sorgt für eine gesunde Abwechslung. Vor der Brennwirkung muss man sich beim Verzehr übrigens nicht fürchten, denn die geht bei der Verarbeitung verloren. Mit der Brennnessel haben wir aber nicht nur ein wunderbares Wildgemüse, sondern auch eine der ältesten Heilpflanzen vor der Haustüre.

Für die Küche kann man im Frühling die ganzen, noch zarten und kleinen Triebe nehmen. Später im Jahr verholzt die Brennnessel von unten recht gerne, weshalb man nur die oberen 15cm bzw. die oberen jungen Blätter nimmt.

Allgemein vermag die Brennnessel den gesamten Stoffwechsel anzuregen und ist aufgrund ihrer reinigenden Wirkung ein wichtiger Bestandteil von Frühjahrskuren. Wer also Brennnessel im Garten hat und das Wachstum etwas eindämmen möchte, greift am besten öfter mal nach ihr. Vorsichtshalber und der bösen Kindheitserinnerungen wegen lieber mit Handschuhen!

Einen Teil sollte man aber immer stehen lassen, denn für Schmetterlingsraupen sind Brennnesseln eine essentielle Futterquelle und tragen damit zum Erhalt der Artenvielfalt bei.

Giersch

Giersch ist für viele DAS lästige Unkraut im Garten schlechthin. Ist er mal im Garten und hat sich ausgebreitet, kommt man fast nicht gegen ihn an. Bereits kleine Wurzelstückchen reichen aus und der Giersch treibt von Neuem aus. Mein Tipp: nicht jäten, sondern für die Küche ernten!

Giersch gehört zur selben Pflanzenfamilie wie Karotte und Petersilie (den Doldenblütlern) und schmeckt wie eine Mischung aus beiden – ist also richtig lecker und kann in großen Mengen zu Suppe, Spinat und Pesto verarbeitet oder als Petersilie-Ersatz verwendet werden und enthält ebenfalls hohe Mengen an Mineralien und Vitaminen.

Früher wurde Giersch übrigens nicht nur als geniales Wildgemüse, sondern auch gegen Gicht eingesetzt. In der Volksmedizin gilt er als wirksames Mittel, um Harnsäure und allgemein Säure aus dem Körper auszuspülen. Was bereits sein botanischer Name verrät: Aegopodium podagraria – lat. „podagraria“ bedeutet „die Gicht heilend“.

Gänseblümchen

„Klein aber oho“ trifft beim Gänseblümchen allemal zu. Man möchte es ja fast nicht glauben, aber in dem zarten Blümchen steckt ordentlich was – wie z. B. hohe Mengen Vitamin C. Regelmäßig in die Ernährung eingebaut, kann es die Abwehrkräfte stärken und fit für die nächste Erkältungswelle machen. Wie gut, dass man es das ganze Jahr über, sogar im Winter, entdecken und verwenden kann. Um in den Genuss des Gänseblümchens zu kommen, dekoriert man einfach immer wieder Salate oder Suppen damit.

Gänseblümchentee, aus frischen oder getrockneten Blüten, kann bei Erkältungskrankheiten und Husten unterstützend wirken und wird wegen seinem leicht süßlichen Geschmack auch gerne von Kindern getrunken. Den Kleinen macht das Sammeln der hübschen Blütenköpfe viel Freude und ist daher eine tolle Möglichkeit, gemeinsam die Natur zu erkunden.

Höchste Zeit also, das unscheinbare, aber sehr vielseitige Gänseblümchen wieder ins Rampenlicht zu befördern. Apropos Licht: Das Gänseblümchen ist ein verlässlicher Wetteranzeiger: Geschlossene Blüten kündigen schlechtes Wetter und Regen an. Die geöffnete Blüte verrät uns dass das Wetter schön bleibt. 

 

Löwenzahn

Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund. Schon früher wussten die Menschen intuitiv über die verdauungsfördernde Wirkung der Bitterstoffe Bescheid, wie dieses alte Sprichwort beweist. Heute weiß man, dass die bitteren, sekundären Pflanzeninhaltsstoffe das gesamte Verdauungssystem anregen, vom Speichel zum Magensaft, bis hin zu Leber und Galle, und somit für eine gute Verdauung sorgen.

Aus diesem Grund stellt der Löwenzahn, der seinen Namen von den spitzen, sägeförmigen Blättern hat, eine tolle Bereicherung in der Küche als Wildgemüse dar. Dazu werden die Blätter klein geschnitten und in der einfachsten Variante unter einen grünen Salat gemischt.

Apropos Salat: Die Blätter vom Löwenzahn enthalten fünf Mal so viel Eiweiß, acht Mal so viel Vitamin C und zwei Mal so viel Kalium, Magnesium und Phosphor wie Kopfsalat. Heilkundlich wird Löwenzahn als Tee bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Darmträgheit und aufgrund seiner harntreibenden Wirkung auch bei Blasenproblemen eingesetzt. Vor allem dem letzteren Einsatzgebiet hat er wohl volkskundliche Namen wie Pissblume und Brunzer zu verdanken.

Spitzwegerich

Der Spitzwegerich, der, wie sein Name verrät, gerne am Wegrand wächst, ist eine der ältesten und am längsten gebrauchten Heilpflanzen. Eine Schönheit ist er nicht gerade mit seinen braunen, unscheinbaren Blüten, doch der einzigartige Mix an wirksamen Inhaltsstoffen macht das alles wett. Reizlindernde Schleimstoffe, auswurffördernde Saponine, schleimhautstärkende Gerbstoffe, entzündungshemmendes Aucubin und eine ordentliche Prise immunstärkendes Vitamin C machen den Spitzwegerich zu einer der wichtigsten Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten. Vor allem gegen Husten wird aus den Blättern seit Urzeiten der Spitzwegerichsirup hergestellt.

Aber natürlich ist er auch in der Küche eine willkommene Bereicherung und sorgt für Überraschungen – die Blätter schmecken gekocht in der Suppe etwas nach Pilzen.

Gundelrebe

Die Gundelrebe kriecht mit langen Ausläufern das ganze Jahr bodennahe dahin und steht erst während der Blüte, ab April, aufrecht da. Sie wird auch als „Erdefeu“ bezeichnet. Verwenden kann man von der Gundelrebe alles – die nieren-herzförmigen Blätter und die hübschen blau-violetten Blüten. Sie bevorzugt feuchte, kühle und nährstoffreiche Böden.

Ihr Name Gundelrebe leitet sich von dem Wort „Gund“ ab, welches ein altes Wort für Eiter ist. In der Volksmedizin wird ihr eine leicht antibiotische Wirkung nachgesagt und auch, dass sie in der Lage sei, Eiter und eben „Gund“ aus dem Körper zu ziehen.

Auch ihr Gehalt an Bitterstoffe, Vitamin C und ätherischen Ölen macht sie zu einer geschätzten Heilpflanze in der Volksmedizin. Sie gilt als Stoffwechsel anregend, entgiftend, harntreibend, schleimlösend, verdauungsfördernd, wundheilend und entzündungshemmend. Was für die Küche aber besonders interessant ist, ist ihr einzigartiger Geschmack.

Als nahe Verwandte von bekannten Küchenkräutern wie Rosmarin und Thymian lässt sich ihr Geschmack als herb thymian-minzaromatisch bezeichnen. Sie eignet sich daher perfekt zum Würzen und Aromatisieren von Suppen, Getränken („Wiesendudler“), für Kräutersalz und Wiesen-“Aftereight.

 

Knoblauchrauke

Die Knoblauchrauke gehört zur Familie der Kreuzblütler, was bedeutet, dass sie eine nahe Verwandte von Kresse, Rucola, Senf & Co. ist. Was man auch schmeckt. Die ganze Pflanze und vor allem die nieren-herzförmigen Blätter, die man gerne in der Küche nutzt, haben ein feines kresseartiges Aroma. Weiters enthält Knoblauchrauke aber auch Senföle, die wir auch im Bärlauch und Knoblauch finden und ihr das typische Knoblaucharoma verleihen.

Dazu kommt dank enthaltener Bitterstoffe eine feine Bitternote.

Knoblauchrauke enthält hohe Mengen an Vitamin A und Vitamin C und gilt als besonders verdauungs- und stoffwechselfördernd. Perfekt also, um das System nach dem Winter wieder hochzufahren ;). 

Zutaten für die Neunkräutersuppe für 2 Personen

• 5 Händevoll Wildkräuter (einzeln oder gemischt)

• etwas Öl

• 1 Zwiebel

• 2 Kartoffeln

• 750 ml Wasser oder Gemüsebrühe

• 50 ml Hafersahne oder Obers

• Salz, Pfeffer

• nach Belieben etwas geriebene Muskatnuss

• essbare Blüten zur Dekoration wie Gänseblümchen, Löwenzahnblüten, Veilchen, Taubnessel, Ehrenpreis, …

 

Zubereitung der Neunkräutersuppe

Die Zwiebel klein schneiden und in Öl glasig dünsten. Kartoffeln schälen, würfelig schneiden und kurz mitbraten. Das Ganze mit Wasser oder Brühe aufgießen, salzen und etwa zehn Minuten kochen lassen, bis die Kartoffeln weich sind. Die Wildkräuter grob schneiden und einige Minuten mitkochen lassen.

Hafersahne oder Obers dazugießen und nach Belieben mit Pfeffer und Muskatnuss würzen. Danach das Ganze gut pürieren. Mit Blüten dekorieren – Mahlzeit 🙂

 

Achte bitte beim Sammeln drauf, nur Pflanzen zu ernten die du auch sicher erkennst und nimm nie alles an einem Standort! Wildpflanzen sind eine wichtige Futterquelle für Wildtiere, weshalb an einem Standort nie alles abgeerntet werden darf!

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der Autorin 
sorgfältig recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit
und/oder Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass jeder Mensch unterschiedlich auf
die Rezepte reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs
etc. können Allergien, Unverträglichkeiten und andere Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche
Abklärung unumgänglich. Die Autorin haftet nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen
Anregungen resultieren.