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Räuchern mit Kräutern und Gewürzen

Aromatischen Pflanzen über Feuer zu verglühen begleitet die Menschheit, alle Kulturen und Völker seit jeher. Neben sakralen Zwecken diente das Räuchern auch ganz irdischen Angelegenheiten, zum Beispiel um Wohnräume und Ställe zu reinigen, Krankheiten zu heilen oder Böses fern zu halten. Heute ist das alte Brauchtum, die Kunst des Räucherns, vielfach in Vergessenheit geraten. Doch gerade die Hektik unsere Zeit, bringt uns diesen ruhigen, besonnenen Ritualen wieder näher.

 

Zeit das Räuchern neu zu entdecken!

Es ist keinem zu verübeln, denkt er/sie beim Räuchern unmittelbar an Kirche, Weihrauch und Myrrhe. Doch gerade Großeltern, wie es auch bei meiner Familie der Fall war, wissen oft mehr darüber zu berichten.

 

Früher waren Weihrauch und Myrrhe viel zu teuer, weshalb zu traditionellen Festen, den sogenannten Jahreskreisfesten, mit heimischen Kräutern, Gewürzen und Baumharz (z.B. Fichte und Tanne) geräuchert wurde. Zu den Jahreskreisfesten zählen die Walpurgisnacht, Johanni und auch die Rauhnächten. Sie markierten wichtige Übergänge im Jahr und galten als Zeiten in denen der Schleier zur Anderswelt besonders dünn war, weshalb Sie mit Bräuchen und Riten belegt wurden und eine große Bedeutung für die Menschen hatten.

Von diesem naturverbundenen Brauchtum haben wir uns heute weitgehend entfremdet. Doch das Räuchern von Kräutern, Gewürzen und Harzen hat nichts von seiner Kraft verloren und jeder kann es individuell für sich selbst neu interpretieren. Auch wenn es nicht zu den traditionellen Zeiten durchgeführt wird, sondern um Kraft zu tanken, als sanfte Begleitung beim Meditieren oder einfach zum Entspannen... den aromatischen Duft wahrzunehmen, den sanften Formen des Rauches zu folgen und die Wärme des Feuers zu spüren.

Die magische Zeit zwischen den Jahren - die Rau(c)hnächte

Besonders in der dunklen Jahreszeit, hatte das Räuchern schon immer eine besondere Bedeutung. Mancherorts wird es noch heute in den sogenannten Rauhnächten praktiziert. Als Rauhnächte werden die 12 Tagen „zwischen den Jahren“, beginnend um Weihnachten mit der Wintersonnwende und endend mit dem Dreikönigstag, bezeichnet. Früher feierte man in diesen Tagen den Sieg des Lichts über die Dunkelheit und ging mit großen Pfannen befüllt mit Ofenglut und Kräutern durch Haus und Ställe um böse Mächte zu vertreiben und Krankheit und Leid fernzuhalten.

Die Raunächte galten auch als eine Zeit des Wartens und Innehaltens. Die Ernte war eingefahren und die Samen ruhten tief in der Erde. Noch heute verspüren in diesen Tagen manche das Gefühl als ob die Zeit still stehen würde. Es ist eine ganz besonders magische Zeit, die wunderbar mit Räucherungen begleitet werden kann.

So gelingt die Räucherung zuhause

Zum Räuchern eignen sich so gut wie alle getrockneten Pflanzenteile wie Blüten und Blätter. Man kann sie alleine oder auch mit mehreren Räucherstoffen gemischt verwenden. Das getrocknete Räucherwerk wird vorher am besten etwas zerkleinert, ich mache das am liebsten  mithilfe eines Mörsers.

Pro Räucherung wird dann etwa 1 TL vom Räucherwerk entweder auf ein Räucherstövchen mit Teelicht oder ein Stück Kohle (in einem Räuchergefäß mit Sand) gelegt. Ich bevorzuge das Stövchen, weil die Räucherung sanfter ist, die Aromen feiner wahrnehmbar sind und sich nicht so viel Rauch bildet.

Die in den Kräutern, Gewürzen und Harzen enthaltenen Aromen und Duftstoffe werden beim Verglühen frei und mit dem aufsteigenden Rauch im Raum verteilt. Je nach Gefühlslage bietet die Natur unzählige Pflanzen, die uns für wohltuende Räucherungen zur Verfügung stehen. Meine Lieblings-Räuchermischungen möchte ich euch hier vorstellen, aber auch gleich dazu sagen, dass Düfte etwas sehr individuelles sind und man nach Lust, Laune und Befinden experimentieren darf.

Räuchermischungen "Reinigung - Dicke Luft ade!"

Allzu gerne bleiben Streit oder Sorgen in der Luft hängen und sorgen für „dicke“ Luft. Um diese zu reinigen werden seit jeher Räucherungen mit Salbei, Beifuß, Lavendel, Wacholder und Weihrauch eingesetzt. Sie zählen beim Ausräuchern und Reinigen von Häusern und Räumen zu den wichtigsten Räucherstoffen. Für eine reinigende Räucherung werden diese einfach zu gleichen Teilen gemischt.

Räuchermischung "Gute Enegie - gute Laune"

Manche Pflanzen wirken mit ihrem Duft direkt auf unsere Stimmungslage und sorgen für Harmonie. Eine Mischung aus Rose, Tannen- oder Fichtennadeln, Nelken und selbstgetrockneten Mandarinen- und Orangenschalen hebt auch an trüben Tagen die Stimmung. Holunder, Königskerze und Johanniskraut passen auch gut für diese Räuchermischung. Sie wirken ausgleichend und bauen Spannungen ab.

Räuchermischung "Ruhig und gelassen"

Kommen Körper und Geist nicht zur Ruhe, hilft die Räucherung mit Fenchel, Zimt, Sternanis und Sandelholz. Die Gewürze wirken entspannend, schlaffördernd und beruhigen die Gedanken. Am Abend kann man so ganz einfach Sorgen und Stress mit dem duftenden Rauch davonfliegen lassen.

 

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit SONNENTOR.