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Natürliche Mundpflege

Jul 17, 2020

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

Für natürliche Mundpflege und selbstgemachte Zahnpasta gibt es mittlerweile Rezepte in Hülle und Fülle. Ich möchte dir ein ganz einfaches, schnell nachgemachtes und zu 100 % natürliches Rezept vorstellen: die Kokos-Minz-Zahnpasta. Inklusive Tipps für einen frischen Atem und Ölziehen.

Hat man alle Zutaten mal zuhause, ist die Zahnpasta im Handumdrehen hergestellt. Und mit gekauften Produkten mithalten kann die selbstgemachte Zahnpasta sowieso allemal. Mehr noch! Da auf chemisch-synthetische Inhaltsstoffe, Mikroplastik als Scheuermittel und Plastikverpackung vollkommen verzichtet wird und der Glastiegel jahrelang wieder befüllt werden kann, tut man nicht nur sich selbst, sondern auch der Umwelt sehr viel Gutes! 

Also worauf noch warten? Zahnbürste in die Hand, auf die Plätze, fertig, los! 

 

Die Zutaten

Am liebsten mag ich Rezepte mit einer überschaubaren Zutatenliste und der Möglichkeit, die Rezeptur individuell anzupassen. Die angeführte Menge ist ideal für einen 30 ml Tiegel. 

 

Die selbstgemachte Kokos-Minz-Zahnpasta besteht aus:

• 2 TL kaltgepresstem Bio Kokosöl

• 2 TL Bio-Birkenzucker (Xylit)

• optional 1 TL Tonerde (oder Heilerde)

• optional 1 TL Natron (Natriumbikarbonat)

• optional 5 Tropfen ätherischen Ölen wie Pfefferminze und Teebaum (bitte Hinweis für Schwangere und Kleinkinder weiter unten beachten)

 

Kokosöl fördert ganz allgemein die Zahn- und Mundgesundheit. Es hat antibakterielle und antiseptische Eigenschaften und wirkt daher karieshemmend. Weiters hemmt es unangenehme Gerüche und fördert damit einen frischen Atem. Wichtig ist bei Pflanzenölen, immer auf eine gute Qualität zu achten. Sie sollten nativ, bzw. kaltgepresst sein und aus biologischer Landwirtschaft stammen. 

Birkenzucker wird aus der Rinde von Birke und Buche hergestellt und trägt, ganz im Gegenteil zum herkömmlichen Zucker, zur Mineralisierung der Zähne bei. Zusätzlich dient Birkenzucker als natürliches  Scheuermittel. Birkenzucker kommt bereits in einigen naturkosmetischen Zahnpflegemitteln zum Einsatz und wird auch zur Herstellung von karieshemmenden Kaugummis verwendet. 

Natron (Natriumbikarbonat) ist als preiswertes und hochwirksames Mittel fast in Vergessenheit geraten. Es kann im Haushalt und in der Kosmetik vielseitig eingesetzt werden und ist dabei umweltschonend und ungiftig. Auch beim Zähneputzen hat es sich bewährt. Es wirkt desodorierend und hellt bei regelmäßiger Anwendung die Zähne auf.

Hergestellt wird Natron aus natürlichem Kochsalz. Es ist aber nicht immer die beste Wahl, vor allem bei empfindlichen Zähnen und Zahnschmelz würde ich davon abraten. 

Tipp: Ich habe immer zwei Varianten zuhause, eine selbstgemachte Zahnpasta mit und eine ohne Natron und wechsle beim Putzen immer wieder mal ab. 

Ätherisches Teebaumöl kann entzündungshemmend, wundheilend und leicht schmerzstillend wirken. Es soll Karies vorbeugen, Zahnsteinbildung hemmen und bei Zahnfleischentzündungen hilfreich sein.

Ätherisches Pfefferminzöl erfrischt den Atem, wirkt kühlend, abschwellend und kann entzündungshemmend und ebenfalls desinfizierend wirken.

Es können natürlich auch andere ätherische Öle verwendet werden. Ätherische Öle sollten allerdings ebenfalls immer aus biologischer Landwirtschaft stammen und am Etikett mit dem Hinweis “100 % naturrein” versehen sein. Nur so kann man sichergehen, dass das jeweilige ätherische Öl aus der Pflanze gewonnen wurde. Andernfalls kann es sich um einen unwirksamen synthetischen Duftstoff aus dem Labor handeln, welcher in selbstgemachter Naturkosmetik und in unserer Zahnpasta nichts verloren hat. 

 

ACHTUNG

Pfefferminzöl kann gefäßverengend wirken und sollte daher auf keinen Fall bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Vorsicht ist auch geboten in der Schwangerschaft, bei Asthma, Epilepsie und Bluthochdruck! Wird ätherisches Pfefferminzöl verwendet, ist die Zahnpasta NICHT GEEIGNET für Kleinkinder und Schwangere! Die ätherischen Öle können in diesem Fall weggelassen, bzw. kann nur Teebaumöl, aber in einer niedrigeren Dosierung (1-2 Tropfen) verwendet werden.

 

Die Herstellung

Kokosöl in einen Glastiegel füllen und das Glas zwischen den Händen erwärmen, bis das Kokosöl ein cremeartige Konsistenz bekommt. Je nach Umgebungstemperatur geht das mal schneller, mal langsamer. Kokosöl beginnt ab 25° C zu schmelzen. Reicht die Wärme der Hände nicht aus und ist das Kokosöl z. B. im Winter ganz fest, kann ein warmes Wasserbad helfen.

Birkenzucker, Tonerde, Natron und ätherische Öle unterrühren. Wer möchte, kann Birkenzucker und Natron für eine feinere Körnung vorher auch im Mörser etwas mahlen. 

Mit Etikett versehen, Tiegel mit Inhalt und Datum beschriften und fertig ist die Kokos-Minz-Zahnpasta! Sie ist ca. drei Monate haltbar.

Tipps

Um keine Keime in die Zahnpasta zu bringen, sollte zur Entnahme ein Löffel verwendet werden. Wer noch nie natürliche Zahnpasta versucht hat, wird sich erst ein bisschen dran gewöhnen müssen. Die Zahnpasta schäumt nicht und fühlt sich im Mund anders an als gekaufte Produkte.

Wer das “ölige” Gefühl des Kokosöls nicht mag und sich auch nach mehreren Versuchen nicht daran gewöhnt, kann auch ein Zahnpulver aus den einzelnen Zutaten ohne Kokosöl herstellen. Das Rezept für ein wunderbares Kräuter-Zahnpulver findest du im DIY Naturkosmetik Online-Kurs

Tipps für einen gesunden Mund und frischen Atem

Für Mundspülungen können Hydrolate verwendet werden. Es handelt sich dabei um aromatisierte Pflanzenwasser, welche als Nebenprodukt bei der Gewinnung ätherischer Öle anfallen. Besonders mundpflegend sind folgende Hydrolate: Rosmarin-, Teebaum-, Salbei- und Pfefferminzhydrolat. Davon gebe ich einfach 1 EL in lauwarmes Wasser und spüle dann mit der Lösung. 

Auch selbstgemachte Kräutertinkturen mit Salbei, Thymian und Minze aus dem Garten können mit Hydrolaten vermischt werden zu ganz besonders feinen Mundspülungen. 

Ölziehen

Du hast sicher schon einmal etwas vom “Ölziehen” gehört. Es handelt sich dabei um eine alte traditionelle Anwendung pflanzlicher Öle, um Giftstoffe aus dem Körper zu schwemmen. Das Ölziehen stammt aus dem Bereich der Alternativmedizin und hat vor allem in der ayurvedischen Heilkunst einen hohen Stellenwert. Neben der Förderung der Zahn- und Mundgesundheit, soll es der Entgiftung und Gesunderhaltung des Körpers dienen. Durch das Spülen des Mundraums mit gewissen Ölen sollen Schadstoffe und Krankheitserreger aus dem Körper gezogen und der Zungenbelag reduziert werden. 

Als sehr wirkungsvoll beim Ölziehen gilt das antibakterielle Kokosöl. Auch Sesam-, Schwarzkümmel-, Sonnenblumen-, und Olivenöl eignen sich für das „Detox im Mund“. Schwarzkümmelöl hat einen sehr intensiven Geschmack und ist nicht jedermanns Sache. Ich schwöre allerdings drauf und finde es in der Wirkung genial. Es soll innerlich eingenommen auch bei Allergien und für das Immunsystem eine tolle Hilfe sein. Wichtig ist – wie immer bei selbstgemachten Zubereitungen – bei allen Ölen auf eine gute Qualität zu achten. 

Ölziehen – so geht’s: 

Der beste Zeitpunkt für das Ölziehen ist morgens nach dem Aufstehen vor dem Frühstück und auch bevor man Wasser, Kaffee oder sonst etwas zu sich genommen hat. Man nimmt einen Esslöffel des gewünschten Öls in den Mund und spült es 10-15 Minuten hin und her. Dabei zieht man es durch die Zähne, spült damit unter der Zunge (ein kleines Kunststück 😉 ) und legt auch immer wieder mal kurze Pausen ein. Sie helfen dabei, dass das Öl besser einwirken kann.

Danach spuckt man das Öl aus (am besten in ein Tuch oder direkt in den Mülleimer und nicht ins Waschbecken), spült den Mund gründlich mit Wasser und putzt danach die Zähne. Es wird empfohlen, das Ölziehen 1-2 Mal wöchentlich anzuwenden. Für manche gehört es zum fixen und täglichen Morgenritual.

Die Öle für das Ölziehen mit Kräutern und ätherischen Ölen zu erweitern, ist natürlich auch eine wunderbare Möglichkeit. Mehr dazu kannst du im DIY Naturkosmetik Online-Kurs erfahren. 

Achtung: Diese Rezepte ersetzen keinen Zahnarztbesuch. Bei empfindlichen Zähnen und Zahnschmelz sollte die Anwendung der selbstgemachten Produkte am besten mit einem Arzt oder einer Ärztin abgeklärt werden.

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der Autorin 
sorgfältig recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit
und/oder Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass jeder Mensch unterschiedlich auf
die Rezepte reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs
etc. können Allergien, Unverträglichkeiten und andere Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche
Abklärung unumgänglich. Die Autorin haftet nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen
Anregungen resultieren.