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Kräuter, Rituale und Rezepte zur Sommersonnwende

Jun 14, 2021

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

Wenn die Sonne am Höchststand ist, die Tage am längsten und die Nächte am kürzesten sind, wird der Natur seit jeher eine besondere Kraft zugeschrieben. Kräuter sollen in dieser Zeit besonders (heil)kräftig sein weshalb sich die Tage rund um die Sommersonnwende  (20.- 22. Juni) zum Sammeln besonders anbieten.

Ich möchte hier ein paar Pflanzen und Rezepte mit euch teilen, die mich schon lange rund um die Sommersonnwende begleiten wie die allerköstlichste Sonnwend’ Blüten- (Wald) Erdbeerbowle, den Rotklee Sirup, getrocknete Blüten, Johanniskrautöl, Räucherungen …

Viel Spaß beim Lesen!

Die Sommersonnwende ist ein altes und wichtiges Jahreskreisfest das früher mit vielen naturverbundenen Bräuchen begangen wurde. Im Zuge der Christianisierung wurde das Fest von der Kirche übernommen – vielen ist die Sommersonnwende daher heute als „Johanni“, abgeleitet vom heiligen Johannes dem Täufer, am 24. Juni bekannt. 

Den Höchststand der Sonne und den längsten Tag des Jahres zelebrierten die Menschen seit Urzeiten mit großen „Sonnwendfeuern“, Räucherungen und ausgelassen Feiern. Das Feuer symbolisiert dabei die unheimliche Kraft der Sonne. Zum Brauchtum gehörte auch mit selbstgebunden Kränzen aus Beifuß und anderen Kräutern durch’s Feuer zu springen um sich so vor dem Bösen zu schützen und Krankheiten fernzuhalten.

Viele Heilkräuter stehen direkt mit den alten Sonnwend’ Bräuchen in Verbindung. Sie werden als „Sonnenkräuter“ bezeichnet und sollen die ganze Kraft der Sonne gebündelt beinhalten. So z.B. das Johanniskraut. Als „Lichttherapie“ von innen kann es Sonne ins Gemüt bringen, wenn die Tage oder wenn es in uns dunkel ist. Heute weiß man, wissenschaftlich belegt, dass Johanniskraut tatsächlich ein pflanzliches Antidepressivum ist und unser Gemüt bei depressiven Verstimmungen „erhellen“ kann.
Rund um die Sommersonnwende eignen sich folgende Kräuter und vor allem auch Blüten besonders gut für die Trocknung: Johanniskraut, Kamille, Ringelblume, Malve, Rotklee, Schafgarbe, Steinklee, Labkraut, Wildrose, Holunder- und Lindenblüten.

Räuchern zur Sommersonnwende 

Der beim Räuchern von Kräutern, Harzen, Wurzeln und anderen Pflanzenteilen entstehende aromatische Rauch stellt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung dar. Man verband damit Reinigung und Loslassen.

Für ein schönes Sonnwend’ Ritual eignen sich getrocknete Kräuter die um die Sommersonnwende blühen und die Sonne in ihrer Farbe und Form symbolisieren wie Ringelblumen-, Kornblumen-, Margeriten-, Kamillen-, Rosen- und Holunder- und Johanniskrautblüten. Sie alle gelten als „Lichtbringer“ und fördern die Harmonie. Aber auch Salbei, Beifuß und Schafgarbe eignen sich und sind typische reinigende Räucherpflanzen.

Ich mische aus diesen getrockneten Pflanzen gerne intuitiv eine Räucherung für die Sommersonnwende und gehe damit abends durchs ganze Haus. Danach werden alle Fenster geöffnet um die frische Sommerluft herein- und die „negativen Energien“ rauszulassen. Am besten geeignet ist dazu die Räucherung mit einem Stövchen. 1-2 TL meiner Mischung lege dazu auf das Sieb des Stövchens.

Man kann aus frischen Sonnwendkräutern auch ganz einfach ein Räuchersträußchen binden und dieses nach der Trocknung räuchern.

 

Die Kraft der Sonnenkräuter einfangen 

Mit der Sommersonnwende ist die Zeit des Keimens und Wachsens vorbei, die ersten Früchte werden reif und das Ernten und Vorrat anlegen beginnt allmählich. Sommer- und Sonnenkräuter, die traditionell um die Sommersonnwende gesammelt werden, eignen sich ganz wunderbar zur Konservierung. Sie enthalten oft weniger Wasser als die frischen und saftigen Frühlingskräuter und können sehr gut getrocknet werden. Früher verstand man das auch als „Einfangen der Sonne, des Sommers und des Lichts“ um davon in den kalten, dunklen Wintermonaten zu profitieren. 

Die Trocknung stellt die einfachste Form der Haltbarmachung von Kräutern dar. Während die Pflanze trocknet gibt sie Feuchtigkeit ab und Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen wird der Nährboden entzogen. Fäulnis und Schimmel werden verhindert und die Blüten und Blätter so länger haltbar gemacht. Später im Jahr kann auf die Heil- und Wildkräuter zurückgegriffen werden. Sie dienen als Basis für  Tees, Ölauszüge, Tinkturen, Räucherungen Gewürze, Kräuterbäder und Co.
Nach der Trocknung kann ein feiner Wintertee aus den Kräutern und Blüten gemischt werden. Mit seinem feinen, süßlichen Geschmack erinnert er an den Sommer und stärkt nebenbei die Abwehrkräfte. Dazu werden z.B. je zwei Teile Erdbeerblätter, Holunder- und Lindenblüten mit einem Teil Johanniskraut, Rotklee, Kamille und Wildrosenblüten gemischt.

Tipps zum Kräuter trocknen

Für die Trocknung wird am besten an sonnigen und warmen Tagen gesammelt. Der beste Zeitpunkt ist der späte Vormittag rund um die Mittagszeit. Der Morgentau sollte bereits verdunstet und die Pflanzenteile völlig trocken sein. 

Manche Inhaltsstoffe, wie ätherische Öle, entwickeln sich erst richtig bei Sonnenschein. Diese pflanzlichen Duftstoffe sind für eine Reihe an Heilwirkungen zuständig und es wäre schade um sie. Vielleicht habt ihr auch schon mal bemerkt dass Blüten von z.B. Rosen und Lavendel nach längerem Regen nicht so gut duften wie bei Sonnenschein. Deshalb wird an regnerischen Tagen für Heilzwecke nicht gesammelt und auch nach einer längeren Regenperiode sollte damit ein paar Tage gewartet werden. 

Um Wirkstoffverluste zu vermeiden werden die Pflanzenteile weder vor noch nach dem Trocknen zerkleinert und schon gar nicht gewaschen. Deshalb ist es umso wichtiger nur an unbelasteten Standorten und auch nur saubere Pflanzen zu sammeln.

Die optimale Trocknung findet an einem luftigen, schattigen und warmen Platz statt. Direktes Sonnenlicht sollte vermieden werden. Nach 7- 14 Tagen ist die Trocknung abgeschlossen. Pflanzenteile wie Blüten und Blätter lassen sich leicht brechen und rascheln zwischen den Fingern. 

Da die wirksamkeitsbestimmenden  Inhaltsstoffe nicht gleichermaßen über die ganze Pflanze verteilt sind werden mal Blüten, mal Blätter und manchmal auch das ganze Kraut gesammelt. Wie getrocknet wird hängt von den jeweiligen Pflanzenteilen ab: 

  • Möchte man nur gewisse Pflanzenteile wie Blätter (z.B. Walderdbeerblätter) oder Blüten (z.B. Rotklee, Holunderblüten) trocknen, legt man diese nebeneinander an der Luft auf. Als Unterlage eignen sich Gitter, Siebe und spezielle Kräutertrockengestelle welche sicher stellen dass an alle Seiten Luft kommt. Aber auch ohne spezielle Vorrichtungen funktioniert die Trocknung: Blüten oder Blätter werden einfach nebeneinander auf einem Leintuch oder Papier aufgelegt. Wichtig ist, dass die Pflanzenteile nicht übereinander gelegt und immer wieder gewendet werden.
  • Wird das ganze Kraut gesammelt wie es bei Schafgarbe, Johanniskraut, Beifuß, Steinklee, Labkraut etc. der Fall ist, werden diese zu Sträußen gebündelt und kopfüber aufgehängt.

Neben der schonenden Trocknung ist auch die richtige Lagerung entscheidend für Wirksamkeit und Qualität der Kräuter. Zum Schutz vor Feuchtigkeit und Sonne werden die getrockneten Pflanzen in einem verschließbaren Gefäß dunkel gelagert. Entweder man verwendet lichtundurchlässiges Braunglas oder alte, saubere Marmeladegläser welche in einen Schrank gestellt werden. Wichtig ist alle Gläser mit Inhalt und Datum zu versehen. Gerade wenn mehrere, verschiedene Pflanzen aufbewahrt werden kann das zu einem regelrechten Chaos im Schrank führen. Getrocknete Pflanzen sollten innerhalb eines Jahres, also bis zur nächsten Sammelsaison, verbraucht werden.

 

Hautpflegendes Rotöl selbstgemacht  

Blüten und Kräuter lassen sich aber nicht nur für Tee trocknen, sie können auch zu hautpflegenden Ölauszügen verarbeitet werden. Dafür eignen sich z.B. Holunder- und Lindenblüten, Kamille und Johanniskraut („Rotöl“).

Rotöl wird aus den sonnengelben Blüten des Johanniskrauts (Getüpfeltes Johanniskraut, Hypericum perforatum) hergestellt das rund um die Sommersonnwende (Johanni) zu blühen beginnt und daher auch seinen Namen hat. Das Öl ist ein natürlicher Helfer aus dem Bereich der Naturheilkunde. Äußerlich, als Einreibung, wird es dank seiner entzündungshemmenden, durchblutungsfördernden, wärmenden und wundheilenden Wirkung seit jeher bei schlecht heilenden Narben, Verbrennungen, Rheuma, Muskelschmerzen, Hexenschuss, Verstauchungen und Sonnenbrand verwendet.
Seinen Namen hat das Rotöl von der leuchtend roten Farbe des fertigen Öls. Auf den Blütenblättern des Johanniskrauts befinden sich winzig kleine Farbdrüsen, die bei genauer Betrachtung als schwarze Punkte erkennbar sind. In diesen ist ein Stoff, das sogenannte Hypericin gespeichert, welches die rote Farbe an das Öl abgibt. Diesem roten Farbstoff, der sich auch zeigt, wenn man die Blüten und Blütenknospen zwischen den Fingern zerreibt, hat das Johanniskraut aber auch seine Volksnamen wie Blutkraut, Jesuwundenkraut, Johannisblut und Wundkraut zu verdanken. 

Johanniskraut ist als Wildpflanze ab Juni anzutreffen, bevorzugt an sonnigen und steinigen Standorten wie Böschungen, Wiesen und am Waldrand. Es kann bis zu 90cm hoch werden. Die ovalen Blätter sitzen gegenständig am verholzenden Stängel, welcher sich nach oben hin verzweigt. Die Blätter sind ganzrandig und kahl. Die Blüten sind gelb und haben fünf Blütenblätter.

Zum Sammeln nimmt man am besten eine Schere und schneidet das Johanniskraut ein paar Zentimeter über dem Erdboden ab. Wichtig ist auch auf gutes Wetter zu achten. Das Johanniskraut sollte für die Herstellung des Rotöls nur an warmen und sonnigen Tagen gesammelt werden.

Es gibt viele verschiedene Johanniskraut Arten. Traditionell wird für Tee und Ölauszug nur das Gefleckte Johanniskraut verwendet. Folgende Merkmale garantieren dass es sich um das „richtige“ Johanniskraut (Hypericum perforatum) handelt: 

Werden die Blüten zwischen den Fingern zerrieben färben sie diese rot. Der Stängel hat eine spürbare Längskante und ist zweikantig. Gegen das Licht gehalten erscheinen die grünen Laubblätter durchlöchert (transparente Öldrüsen).  

Herstellung Rotöl: 

Direkt nach dem Sammeln werden die frischen Blüten und ein Teil der Blätter von den Stängeln gezupft und grob zerkleinert. Dann wird ein sauberes,verschließbares Glas zu zwei Drittel damit befüllt und das Glas vollständig mit Olivenöl (alternativ Mandel-, Jojoba- oder Sonnenblumenöl) aufgegossen. Das Glas wird am besten die erste Woche nur mit einem Tuch abgedeckt. Feuchtigkeit kann so entweichen und die Gefahr der Schimmelbildung wird reduziert. Danach kann man das Glas verschließen. An einem sonnigen und warmen Platz lässt man den Ölauszug etwa 4 Wochen stehen. Während der Ziehzeit darf immer wieder kräftig geschüttelt werden. Anschließend kann das Rotöl durch ein Tuch oder einen Filter abgeseiht und anschließend abgefüllt werden. Es ist dunkel gelagert etwa 1 Jahr haltbar.

Bei Bedarf kann es bei diversen Hautproblemen und Erkrankungen (siehe oben) auf die betroffene Stelle aufgetragen und leicht einmassiert werden. 

Aus den sonnengelben Blüten kann aber nicht nur das heilende Rotöl sondern auch ein stimmungsaufhellender, nervenstärkender Tee hergestellt werden. Eine Kur mit Johanniskrauttee wirkt leicht beruhigend, reguliert die Serotoninausschüttung („Glückshormon“) und beeinflusst depressive Zustände positiv. Bereits Hildegard von Bingen bezeichnete das Johanniskraut wohlwissend (und lange bevor sich die Wirkung wissenschaftlich bestätigte) als „Arnika der Nerven“. 

Achtung: Bei der innerlichen Anwendung des Johanniskrauts als Kur kann es zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit und in Folge zu schnelleren Sonnenbrand und Pigmentflecken kommen. Langes Sonnenbaden, Höhensonne und Solarium sollten gemieden werden. Bei der äusserlichen Anwendung ist diese Reaktion äußerst selten und zu vernachlässigen. Nicht geeignet in der  Schwangerschaft und Stillzeit. Bei kurmäßiger Einnahme kann die Wirkung der Pille herabgesetzt werden. 

 

Kamillenblütenöl 

Die Kamille zählt für mich, wie das Johanniskraut, zu den Sonnenkräutern. Sie gilt als eine der wichtigsten und am meisten geschätzten Heilkräutern und hat viele Einsatzgebiete. Wild ist sie leider kaum mehr zu finden. Früher war sie eine typische Begleitpflanzen in Getreidefeldern. Durch den hohen Einsatz von chemisch-synthetischen Dünge- und Spritzmittel ist sie aber in freier Natur kaum mehr anzutreffen.Im Garten oder am Balkon lässt sie sich gut kultivieren. 

Ein Öl aus frischen oder getrockneten Kamillenblüten kann auf gleiche Art und Weise wíe das Rotöl hergestellt werden. Es ist ein wunderbares Hautöl für gestresste, gereizte, gerötete oder schuppige Haut. Es regt die Geweberegeneration an, wirkt juckreizstillend und wundheilend. Das Kamillenöl kann auch als Baby-Massageöl genutzt werden. Dazu wird es einfach sanft in die Haut am Bauch einmassiert – das hat eine beruhigende Wirkung bei Bauchschmerzen. 

 

Die Walderdbeere

Die Früchte der Walderdbeere zählen zu den allerersten im Jahr. Man könnte meinen gerade in diese ersten wilden Früchten steckt die Natur besonders viel Liebe und Geschmack! 

Der lateinische Name der Walderdbeere „Fragaria vesca“ ist sehr aussagekräftig: Fragare bedeutet ‘duften’, vesca ‘essbar’. Es handelt sich dabei also um eine aromatische, wohlschmeckende Frucht die der Menschheit als Nahrungsmittel schon sehr lange bekannt ist. Aber nicht nur kulinarisch hat die Walderdbeere einiges zu bieten – sie ist auch fest verankert in der Naturheilkunde. Ihre wohltuenden Eigenschaften gerieten aber leider fast vollständig in Vergessenheit. 

Ein bisschen Botanik 

Die Walderdbeere ist eine 5- 25cm hohe, mehrjährige Staude und wächst in lichten Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern, im Gebüsch und Hecken sowie an sonnigen Hängen. Sie ist sehr verbreitet, bildet aber keine dichten Bestände. 

Der Stängel ist behaart, die gestielten Blätter sind grob gesägt, 3-zählig, 2- 6cm lang, behaart, oberseits hellgrün und  unterseits weißlich bis graugrün.

Die weißen Blüten sind 5-zählig und blühen April- Juni.

Die Walderdbeere hat lange, oberirdische Ausläufer welche am Boden kriechen und sich an den Knoten bewurzeln. Neben dieser Fortpflanzungsform kann sich die Walderdbeere auch durch Samen vermehren. 

Nach der erfolgten Bestäubung bildet sich aus jedem einzelnen Fruchtblatt der Blüte ein 1mm langes hartschaliges, glänzendes Nüsschen (die eigentlichen Früchte). Walderdbeeren sind daher keine echten Beeren sondern Scheinbeeren, es handelt sich botanisch gesehen um eine Sammelnussfrucht. Der Blütenboden verdickt sich nach dem Verblühen und gemeinsam mit den darauf sitzenden Nüsschen entsteht die vorerst grüne, unreife Frucht. Mit zunehmender Reife verfärbt sich der Blütenboden durch Anthocyane rot und durch parallele Steigerung des Wassergehalts entwickelt sich die fleischige, rote Scheinbeere. 

Verwechslungen mit der indischen Scheinerdbeere, Potentilla indica, sind recht häufig. Die Scheinerdbeere hat jedoch gelbe Blüten und nicht weiße wie die Walderdbeere. Ihre Frucht ist kugelig rund, leicht zusammengedrückt und aufrecht über dem Laub wie auf einem ‘Teller’ stehend. Die gesamte Frucht mitsamt den Nüsschen ist viel glänzender als die Walderdbeere. Ausserdem ist die Frucht innen rein weiß. Spätestens beim Kosten erkennt man eine Verwechselung mit Scheinbeere, diese schmeckt fad und wässrig. Gefährlich kann so eine Verwechselung nicht werden denn die Scheinbeere ist nicht giftig. 

 

Walderdbeere in der Naturheilkunde

In der Naturheilkunde werden die jungen Blätter, die Früchte und früher teilweise auch die Wurzel der Walderdbeere genutzt. Die Blätter werden von März bis Juli gesammelt. Sie eignen sich als Grundzutat für jeden selbstgemischten Kräutertee und enthalten Gerbstoffe- und Schleimstoffe, Vitamin C, Flavonoide und ätherisches Öl. Der Gerbstoffgehalt steigt im Laufe der Zeit an und die Blätter eigenen sich dann nicht mehr für den täglichen Genuss. Ab August sollten sie nicht mehr geerntet werden. 

Aus den Walderdbeerblättern kann ein Tee zubereitet werden, mit dem man bei entzündlichen Schleimhäuten im Mund und Rachen gurgelt. Auch bei Durchfall wird dieser in der Naturheilkunde gerne empfohlen. Er wirkt stopfend, zusammenziehend und entzündungshemmend. 

Zubereitung Walderdbeer Blättertee:

2 TL zerkleinerte Blätter mit 0,25l kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten lang ziehen lassen und dann abseihen. 3x täglich 1 Tasse Tee trinken oder bei Bedarf mit lauwarmen Tee gurgeln oder spülen. 

Die Früchte erntet man mit der Reife ab Mai-Juli bis in den Herbst hinein. Sie schmecken nicht nur einmalig sondern enthalte auch richtig viel Vitamin C: in 100g befinden sich ca. 60mg Vitamin C. Das ist viel, viel mehr als vergleichsweise in Zitronen. Weiters sind Fruchtsäuren, Folsäure, andere Vitamine, wertvolle Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Kalzium, Eisen, Zink, etc. und Zucker enthalten. Auch die Früchte werden heilkundlich schon lange genutzt. Ihre Wirkung gilt als kühlend, beruhigend und kräftigend. Sie werden in der Volksmedizin bei Hautunreinheiten, Energiemangel, Nervenschwäche und Rheuma eingesetzt. 

 

Sonnwend’ Blüten-Erdbeerbowle 

1 gute Handvoll Blüten wie Holunder-, Linden- Rosenblüten mit Apfelsaft aufgießen. Eine kleine Handvoll Wald- oder Gartenerdbeeren (geviertelt) dazu geben und das Ganze über Nacht bzw. mehrere Stunden ziehen lassen. Dann abseihen, optional 2 EL Rosenhydrolat (Lebensmittelqualität!) oder selbstgemachten Sirup wie zB Rotklee- oder Holunderblütensirup dazugeben und mit etwas Mineralwasser/Soda oder Sekt aufspritzen. Die perfekte Begleitung in Sommernächten und zum Sonnwendfeuer 🙂

Sommerlicher Rotklee Sirup

Nicht nur aus Holunderblüten lässt sich ein köstlicher und erfrischender Sirup zaubern. Gerade im Sommer finden wir viele bunte, duftende Blüten auf Wiesen, Weiden und Feldern. Und viele davon eignen sich, wegen ihres süßen Nektars, für selbstgemachte Blüten-Sirupe, wie zum Beispiel der Rotklee.

Die schönen Blüten, die viele an die Kindheit erinnern, ergeben einen honigartigen, rosarot leuchtenden Sirup der nicht nur Kindern gut schmeckt.

Der Rotklee enthält viele Vitamine und Mineralien und kann in der Küche als essbare Dekoration und als Wildgemüse verwendet werden. Mit seinen hübschen Blütenköpfen, welche aus unzähligen kleinen Einzelblüten bestehen, peppt er jedes Gericht auf. 

Als Heilpflanze ist der Rotklee in der Naturheilkunde ebenfalls von Bedeutung. Er enthält Isoflavone, welche zu den pflanzlichen Hormonen, den sogenannten Phytoöstrogenen, zählen. Wenn bei Frauen die körpereigene Östrogenproduktion nachlässt, können diese zum Einsatz kommen um unangenehme Wechseljahrbeschwerden auszugleichen.

Weiters wirkt der Rotklee entgiftend, harntreibend und wird in der Volksmedizin bei Durchfall und Atemwegserkrankungen eingesetzt. Die Blütenköpfe können für Tee getrocknet werden oder auch in Apfelessig für Kuren eingelegt werden. 

Zutaten für den Rotklee Sirup

4-5 Händevoll Rotklee Blüten

1 Bio-Zitrone

800g Zucker

1 Liter Wasser

Zubereitung

Blütenköpfe an einem sonnigen Tag sammeln, waschen und klein schneiden. Die Zitronen in Scheiben schneiden und gemeinsam mit den Blüten in eine Schüssel geben. Wasser aufkochen und über darüber gießen. Das Ganze abdecken und 24h ziehen lassen. Danach abseihen und die Pflanzenreste gut ausdrücken. Den gewonnenen Saft mit 800g Zucker aufkochen und köcheln lassen bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hast. In saubere Flaschen füllen und im Kühlschrank lagern. Der Rotklee-Sirup ist etwa 1 Jahr haltbar.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt… Auch die Blüten von Lavendel, Wiesensalbei, Schafgarbe und Rose oder die Blätter von Minze, Melisse und sogar Basilikum können zu einem Sirup verarbeitet werden.
Rotkleeblüten können auch zu einem schönen Essig angesetzt werden. Dazu werden eine verschließbare Flasche/ein Glas zu einem Drittel mit den Blüten befüllt und mit Weißweinessig aufgegossen. Nach einer mehrwöchigen Ziehzeit an einem schattigen Platz bei Zimmertemperatur kann der Rotkleeblüten Essig abgeseiht werden.

Mit diesen Rezepten wünsche ich euch eine feine Sonnwend’ Zeit! 

Fotos: 
Sonnenuntergang und Rotklee Essig Daniel Hobelsberger 

Literatur: 
Alles aus Wildpflanzen (Coco Burckhardt)
Das große Buch der Heilpflanzen (Pahlow)
Was blüht denn da? Der Fotoband (Spohn, Margot  und Aichele, Dietmar)
Essbare Wildpflanzen (Fleischhauer, Guthmann, Spiegelberger)

 

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der Autorin sorgfältig recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass jeder Mensch unterschiedlich auf die Rezepte reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs etc. können Allergien, Unverträglichkeiten und andere Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unumgänglich. Die Autorin haftet nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen Anregungen resultieren.