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In einem Land vor unserer Zeit … oder “der Ackerschachtelhalm”

Jun 5, 2020

Valerie Jarolim BSc., Kräuterpädagogin

…ja auch damals, zur Zeit der Dinosaurier vor etwa 300 Millionen Jahren, gab es bereits Schachtelhalmgewächse wie den geschätzten Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense).

Erdgeschichtlich betrachtet, gehören Schachtelhalme demnach zu den ältesten Pflanzen unserer Erde.

Anders als heute bildeten die damals meterhohen Schachtelhalme ganze Wälder und bedeckten große Landflächen. Auch wenn sie nicht mehr die Größe von damals erreichen, haben sie bis heute überdauert. Im grundsätzlichen Aussehen und ihrer besonderen Art der Fortpflanzung hat sich in dieser langen Zeit nichts verändert.

 

Schachtelhalme entwickelten sich lange, bevor es Blütenpflanzen und Insekten gab. Blütenpflanzen entwickelten sich erst später in einer Co-Evolution mit Insekten, die für deren Bestäubung und Fortbestand sorgen und die Blüten dafür als Nahrungsquelle nutzen. Eine Blüte wird man bei Schachtelhalmen also vergeblich suchen. Und damit auch die Möglichkeit, sich durch Pollen sexuell zu vermehren. Schachtelhalme vermehren sich durch Sporen, welche auf separaten Sporenträgern gebildet werden. 

Auch Blätter findet man nicht bei den Schachtelhalmarten, denn diese bildet diese reduzierte Pflanzenfamilie nicht aus. Ihre Arten möchten wohl mit dem Nötigsten auskommen und bestehen daher aus reinem Stängelwerk mit Haupttrieb und Seitenästen. 

 

Ackerschachtelhalm richtig erkennen

Es gibt bei uns mehrere Schachtelhalmarten, die in ihrer Erscheinung sehr ähnlich sind.

Einige Vertreter, wie der Sumpf-, Wald- und Wiesenschachtelhalm, sind giftig und deshalb ist ein richtiges Erkennen und Bestimmen des heilkräftigen Ackerschachtelhalms wichtig.

Der Ackerschachtelhalm bildet zeitig im Frühjahr einen bräunlichen Sporentrieb, welcher nach der Reife im März/April abstirbt. Erst einige Wochen später bilden sich die ungeschlechtlichen grünen Triebe. Sie werden bis zu einem halben Meter hoch und erscheinen ab April/Mai. 

Bei manchen giftigen Arten befindet sich der bräunliche Sporentrieb nicht separat, sondern an der grünen Triebspitze. Eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale des Ackerschachtelhalms ist daher seine grüne Spitze mit Seitenästen. 

Die Seitenäste des Ackerschachtelhalms entspringen entlang des gesamten Stängels quirlförmig und nehmen in der Länge nach oben hin ab. Der Stängel ist hohl und im Querschnitt gerippt. Am Stängel, wo die Seitenäste entspringen, befindet sich die Blattscheide. Sie sieht aus wie ein “Kranz” oder eine Krone, die den Stängel umfasst. 

Das erste Glied des Seitenastes, das an der Blattscheide ansetzt, ist beim Ackerschachtelhalm länger als die Blattscheide selbst. Als “Schachtel”halm werden die Arten auch bezeichnet, weil sich ihre Seitenäste aus einzelnen Gliedern zusammensetzen, die wie Schachteln auseinandergenommen werden können. 

Wer auf die Erkennungsmerkmale achtet, kann den Ackerschachtelhalm bedenkenlos selber sammeln, um ihn zu trocknen oder frisch als Tee zu verarbeiten. Dazu werden die grünen Triebe kurz über dem Boden abgeschnitten. Möchte man die Triebe trocknen, bündelt man sie zu einem Strauß und hängt sie kopfüber an einem schattigen Platz auf. Bei Zimmertemperatur sind sie nach etwa einer Woche trocken. Die beste Sammelzeit der Ackerschachtelhalm-Triebe ist von Mai bis Juli.

 

Zu finden ist der Ackerschachtelhalm vor allem auf feuchten Böden. Er mag Uferbereiche, feuchte Wiesen, Gräben, Böschungen und Wegränder. Sieht man kleine dunkle Punkte am Ackerschachtelhalm, sollte er besser nicht mehr gesammelt werden. Es kann sich dabei um einen Pilzbefall handeln und gesammelt werden immer nur intakte und gesunde Pflanzen. 

Bitte beachte beim Sammeln auch immer, dass genug zurückbleibt und nimm nur, was du wirklich brauchst und verarbeitest.

 

Zinnkraut

Vielen ist der Ackerschachtelhalm auch als Zinnkraut bekannt.

Denn früher wurde das Kraut aufgrund seines hohen Gehalts an Kieselsäure verwendet um, quasi als Schmirgelpapier, Zinn und andere Metalle zu polieren.

 

Was die Kieselsäure kann:

Die Kieselsäure ist ein unentbehrlicher Baustein unseres Körpers und befindet sich im (Binde-)Gewebe, in Haaren und Nägeln. Sie aktiviert den Stoffwechsel der Haut, des Bindegewebes und des Unterhautzellgewebes sowie der Sehnen und Bänder. 

Sie wirkt örtlich anregend und nachweislich straffend, was für ein festes Bindegewebe sorgt und sie zu einer beliebten Pflanze bei Cellulite macht. Sie hilft weiters bei Haarausfall und brüchigen Nägeln. 

Also immer, wenn es um Kräftigung und Stärkung geht, ist Ackerschachtelhalm eine gute Wahl. Auch das Lungengewebe wird gestärkt. Daher werden kieselsäurehaltige Heilpflanzen in der Volksmedizin unterstützend bei Lungenproblemen wie Husten und Asthma eingesetzt. 

Auch im Garten kann die kräftigende und strukturierende Wirkung als Pflanzenstärkungsmittel genutzt werden. Kieselsäure stärkt Pflanzengewebe und macht sie widerstandsfähiger. Dazu kann einfach eine Abkochung wie unten beschrieben zubereitet und regelmäßig als Düngung verwendet werden.

 

Tee mal anders – die Abkochung:

Kieselsäure ist schwer löslich, weshalb ein Aufguss mit kochendem Wasser nicht ausreicht, um diese zu lösen. Um an die Kieselsäure zu kommen, muss der Ackerschachtelhalm gekocht werden. Dazu werden die zerkleinerten Pflanzenteile (2 TL/250 ml) mehrere Stunden (am besten über Nacht) in kaltem Wasser angesetzt. Nach der Ziehzeit lässt man das Ganze zugedeckt für etwa 15 Minuten köcheln und seiht dann ab. 

 

Möchte man Ackerschachtelhalm-Tee innerlich anwenden, bei brüchigen Haaren und Nägeln etc., sollte das am besten kurmäßig erfolgen. Über mehrere Wochen kann ein Mal täglich eine Tasse getrunken werden, nach spätestens sechs Wochen sollte aber pausiert werden. 

 

Äußerliche Hautstraffung

Nicht nur innerlich, auch äußerlich entfaltet die Kieselsäure ihre Wirkung. Die Abkochung eignet sich auch wunderbar, als regelmäßiges Sitzbad genommen, um Haut und Gewebe zu straffen. Dazu bereitet man auf 2 Liter Wasser etwa 2 Händevoll Kraut als Abkochung und mengt diese dem Badewannenwasser bei. Für ein Sitzbad reicht es, wenn die Wanne nur halbvoll ist. 

In der Volksmedizin werden äußerliche Anwendungen wie Sitzbäder und Waschungen auch bei Wunden, Krampfadern, Schwellungen und Hautausschlägen verwendet. Bei diesen Einsatzgebieten kann es förderlich sein, Ackerschachtelhalm sowohl innerlich als auch  äußerlich anzuwenden. 

 

Blasen- und Nierentee

Weitere Einsatzgebiete des Ackerschachtelhalms sind Blasen- und Nierenleiden sowie rheumatische Beschwerden. Aufgrund der Inhaltsstoffe wie Kalium, Flavonoide und Saponine wird die Niere zu einer vermehrten Harnproduktion angeregt. Durch die harn- und wassertreibende Wirkung werden Niere und Blase durchgespült. 

Für diesen Zwecke reicht ein herkömmlicher Aufguss. In der Volksmedizin wird Ackerschachtelhalm weiters bei Nasenbluten und zu starker Monatsblutung angewendet. Wissenschaftlich erwiesen ist eine immunstimulierende Wirkung. 

Disclaimer: Rezepte, Anwendungsvorschläge, Inhalte und Angaben wurden nach dem aktuellen Wissensstand der Autorin sorgfältig 
recherchiert und verfasst, erfolgen aber ohne Gewähr. Sie stellen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und/oder
Richtigkeit im schulmedizinischen Verständnis.  Es muss betont werden, dass jeder Mensch unterschiedlich auf die Rezepte
reagieren kann. Auch natürliche Zutaten, Stoffe und Rohstoffe wie Pflanzenöle, ätherische Öle, Bienenwachs etc. können Allergien,
Unverträglichkeiten und andere Nebenwirkungen auslösen. Bei Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung unumgänglich. Die Autorin
haftet nicht für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den gegebenen Anregungen resultieren.