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Home sweet Daberer

 Warum ich über ein Hotel schreibe? Gute Frage – aber auch einfach beantwortet.

 

Als Agrarwissenschafterin beschäftige ich mich schon lange mit der Herkunft und Produktion unserer Lebensmittel. Bio, Regionalität, Saisonalität und ressourcenschonende Anbauweisen waren und sind für mich immer schon wichtige Themen. Egal ob an der Uni oder beim Kauf meiner Lebensmittel.

Irgendwann wollte meine Einstellung dazu auch vorm Reisen keinen Halt mehr machen. Und als ich während meines Studiums auf die Slow Food Bewegung stieß, ließ sich durch ein bisschen Recherche Reisen und sinnvolles, nachhaltiges und gesundes Speisen verbinden.

 

Tja, langer Rede kurzer Sinn- so kam ich vor mehreren Jahren auf "der daberer. das biohotel". Gelegen in Kärnten, im wunderschönen Dörfchen St. Daniel mit Blick über das weite Gailtal. Im Juli durfte ich dort drei genussvolle und entschleunigende Tage verbringen und möchte meine Eindrücke hier mit euch teilen.

Slow Food statt Fast Food oder Reise zu den Wurzeln des guten Geschmacks

Liebevoll nennt sich das, seit vielen Jahren im Familienbetrieb geführte, Biohotel auch „Die mit dem Vogel“. Das liegt vielleicht daran, dass die Küche beim Daberer seit 40 Jahren Bio ist und in dieser Hinsicht wohl zu den mutigen Pionieren gehört.

 

Neben der biozertifizierten Küche, ist ist es aber auch die weltweit erste Slow Food Travel-Region die es mir hier angetan hat. Slowfood versteht sich als Gegenbewegung zum globalisierten und industrialisierten Fastfood. Im Mittelpunkt stehen regionale LEBENSmittel, alte Nutztierrassen, fast vergessene Gemüse- und Obstsorten und bunte Vielfalt auf dem Teller statt uniformierter Massenware. Und es geht um bewusstes und genussvolles Essen. Ein Aspekt, der heute zwischen täglich wechselnden Foodtrends und Diätenzwang leider oft übersehen, in der Daberer Küche aber voll und ganz gelebt wird. Was nicht biozertifiziert ist, kommt aus der Region. Die kulinarischen Schätze werden in Handarbeit von kleinen ProduzentInnen hergestellt, die rund um den Daberer im Gailtal und Lesachtal liegen.

 

Immer schön der schnecke folgen

Dass das Hotel in einer Slow Food Travel-Region liegt, sieht man am deutlichsten beim Frühstück! Hier kann man genüsslich der roten Schnecke, dem Symbol der Slow Food Bewegung, folgen. Während man sich das Bio-Ei mit Roggenbrot - selbstverständlich in der hauseigenen Backstube aus Natursauerteig gebacken - verfeinert mit Bauernbutter schmecken lässt, kann man im liebevoll gestalteten Daberer Frühstücksheftchen blättern und nachlesen wo die Zutaten dafür herkommen. Man staunt nicht schlecht, wenn einem empfohlen wird die Hühner zu besuchen, von denen die in der Daberer Küche verarbeiteten Eier kommen. Der Hof liegt ums Eck.

Kaffeerösterei und auch Brauerei befinden sich im Nachbarort. Kräutertees kommen aus dem idyllischen und nahen Kräuterdorf Irschen. Man kann aber nicht nur die heimischen ProduzentInnen besuchen, sondern wird auch bei zahlreichen Slow Food Workshops eingeladen mitzumachen und selbst „Hand anzulegen“. Die Reise führt dabei zum Ursprung der Lebensmittel in Küchen, zu Bienenstöcken, Butterfässern, auf Felder und Almen. Vom Krendelkurs (die Art und Weise wie die köstlichen Kärtner Kasnudeln gemacht werden), zur Erdäpfelernte, übers Bierbrauen zum Kräuterbestimmen ist alles und für jedeN etwas dabei.

Aber - beim Daberer verführt nicht nur das Frühstück zu kulinarischen Hochgenüssen. Auch Mittags und Abends findet man hier keine "Schnickschnak-"Küche sondern pure Lebensmittel mit viel Liebe und Gespür für die Region zu einmaligen Gerichten zubereitet, die man so schnell nicht vergisst.

Ein Bächlein Helle - WAsserautark

Im gesamten Hotel, egal ob aus der Leitung zum Trinken, im Schwimmbad oder Kaltbecken, kommt das Wasser aus der eigenen Quelle. Diese liegt direkt hinterm Haus am Waldrand und begründet die Geschichte vom Daberer. Denn zuerst war die Quelle und dann das Hotel, welches 1928 als Heilbad gegründet wurde. Genauer gesagt handelt es sich um eine Kalzium-Magnesium-Hydrogen-Karbonat Quelle. Soulbottles stehen überall bereit um das gesunde und belebende Wasser abzufüllen.

Bergkräuterkosmetik mit viel Liebe

Wer meinem Blog schon länger folgt weiß, dass selbstgemachte Kräuter- und Naturkosmetik mein Herz höher schlagen lässt! Noch ein Punkt also, bei dem der Daberer voll ins Schwarze trifft.

Denn auch im Spa- und Wellnessbereich wird auf Regionalität und Bio gesetzt: die Massageöle und Cremes kommen von Traudi Kanzian. Für ihre in Handarbeit hergestellte Bio-Naturkosmetik verwendet sie Wild- und Heilkräuter aus Garten, Wald und Wiese. Und wer sich davon selbst überzeugen möchte (so wie ich), muss einfach nur ein paar Minuten den Berg rauf.

Bevor's losging hat mir Marianne Daberer eine Skizze vom Weg gemacht. Verirren kann man sich aber eh nicht wirklich. Nach Monsell geht’s und dort stehen zwei Häuser: Ein kleiner Biobauer und das Haus von Traudi mit einem wunderbarem Blick auf die Karnischen Alpen.

Nach einer Runde durch ihren schönen Garten, breitet sie ihre Schätze aus: Johanniskraut und andere Bergblüten in Sonnenblumenöl, Lavendel und Steinklee in Alkohol, Enzian-, Malven- und Ringelblumenmazerat. Sie verrät mir, dass sie für ihre Produkte nur heimisches Bio- Sonnenblumenöl verwendet, da dass am besten zu unserem Hauttyp passt. Ich spüre sofort eine Verbindung und kann ihr tiefes Verständnis und die Liebe zur Natur so gut teilen.

 

Traudi sagt übrigens "Ich habe nicht den perfekten Kräutergarten, alles wächst wild durcheinander. Und manche Pflanzen lassen sich auch gar nicht gut kultivieren! Sie wachsen dann am besten und kräftigsten wenn sie sich ihr Plätzchen im Garten selbst aussuchen.“ Eine Einstellung die mir voll und ganz zusagt. Ich finde ihren Kräutergarten, nicht zuletzt wegen der Ruhe und der traumhaften Aussicht, aber trotzdem wunderschön!

Natur Spa. Ruhe. Weitblick.

Das Spa- und Wellnessangebot könnte besser nicht ausfallen: in Schwimmbad, Dampfbad, Sauna und den vielen gemütlichen Rückzugsmöglichkeiten mit Blick auf die gegenüberliegenden Berggipfel und den großen Garten mit Bächlein kann man die Seele baumeln lassen und zur Ruhe kommen.

Und das gehört für mich beim Daberer eindeutig zu den schönsten Momenten: nach der Sauna in den naturbelassenen Saunateich zu hüpfen und danach eingewickelt in warme Schaffelle mit einem Kräutertee in der Hand in die Weite zu blicken.

Herz, was willst du mehr?!

Neben dem Natur Spa befindet sich am Waldrand gelegen die Waldsauna. Ein entschleunigender Ort mit Kachelofen und holzbefeuerten Saunen, für alle, die die Stille suchen und zur Ruhe kommen wollen.

Ein Barfußpfad führt von der Waldsauna, vorbei am hauseigenen biozertifizierten Forellenteich, hinauf zum märchenhaften Waldteich. Das Wasser ist glasklar und schimmert in den schönsten Blautönen mit dem Himmel um die Wette.

Ein Holzfloß lädt zu abenteuerlichen Fahrten ein und ab und an kann man ein Reh im Wald beobachten. Vogelgezwitscher. Ruhe. Die Wasserqualität ist hier so gut, dass es sogar seltene Flusskrebse gibt.

Das Abkühlen und Schwimmen ist aber nur etwas für Mutige! Ich habe es gewagt und ich muss sagen das 16°C kalte Wasser belebt und erfrischt ungemein an heißen Sommertagen. Ich schmachte dahin bei der Erinnerung während ich den Text bei 32°C in Wien schreibe.

Liebe zum detail - everywhere

Man merkt schon beim Ankommen und später an jedem noch so kleinen Detail, dass der Daberer kein Hotel ist, das isoliert als Komplex und als sich geschlossenes System dasteht. Es ist vernetzt mit der Landschaft, den Menschen und den umliegenden ProduzentInnen. Unterstrichen wird das Ganze durch die verwendeten Naturmaterialien wie Stein, Ton und Wolle und heimische Hölzer - Eiche, Lärche und Erle sorgen innen so wie aussen für Gemütlichkeit. Wohin das Auge blickt warme und erdige Töne und sanfte Linien. Es duftet im Haus nach frisch gebackenem Brot und sonnengewärmten Holz.

Das Programm ist modern, zeitgemäß aber dennoch sehr liebevoll und nicht gekünstelt hip gestaltet: Yoga Retreats, Basenfasten und Kräuterwochen.. vieles ist möglich.

Federleicht und pudelwohl fühle ich mich nach den drei Tagen! Erfrischt und gestärkt. Das klare Wasser im Spa und Waldteich, die Naturmaterialien im Haus, das duftende Holz, das gute Bioessen und der Wald. Ja, das alles macht den Daberer aus.

 

Abschließend bringt mich der netteste Hauswart der Welt im Elektroauto zum Bahnhof und informiert mich über erneuerbare Energien, by the way. Ich komme wieder!

 

Hier könnt ihr auf der Homepage vom "der daberer. das biohotel" reinschauen: www.biohotel-daberer.at

 

Hinweis: Kooperation